Der Termin musste am Nachmittag liegen. Weil es morgens in der Schule zu trubelig ist – weil Kinder über die Flure rennen und in der Cafeteria Gläser umwerfen. Marco Prinz kann vormittags niemanden empfangen. An diesem Nachmittag erwartet er vier Schulhausmeister, die aus ganz Deutschland nach Hamburg gereist sind, um in der Cafeteria des Gymnasiums Johanneum gemeinsam über ihren Beruf zu sprechen.

Weil sie am besten wissen, wie es den Schulen in Deutschland geht. Sie sind die Hüter der Bildungseinrichtungen und die heimlichen Erzieher – auch wenn man sie nie im Klassenraum sieht, sondern nur auf den Fluren. Die ZEIT hat sie eingeladen. Prinz hat Kaffee gekocht und Kekse gekauft.

Stefan Mühle ist der erste Gast, der eintrifft. Er arbeitet an einer Grundschule in Sachsen. Händedruck. Da steht ein Schüler in der Tür, Fahrradhelm auf dem Kopf, etwa in der fünften Klasse. "Bei uns im Raum ist der Fenstergriff kaputt gegangen. Können Sie das bitte machen, heute noch?", sagt er zu Prinz, fordernder Ton. Prinz lächelt, nickt. Stefan Mühle guckt irritiert.

Petra Heinrichs © Paula Markert für DIE ZEIT

Petra Heinrichs, Hausmeisterin einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen, hat sich die lange Autofahrt nach Hamburg mit ihrer Tochter geteilt. Finn Bröckers Fahrt war kurz, er musste nur den Hamburger Stadtteil wechseln, seine Gesamtschule liegt in Barmbek. Die Arme hält er verschränkt, und so wird er sie halten, die nächsten zwei Stunden. Um seine Hüften hängt ein Gurt, wie ihn Handwerker in Filmen tragen, mit Werkzeug drin. Herr Prinz bittet zu Tisch. Als er seinen Schlüsselbund auf den Tisch legt, ist Herr Bröcker direkt interessiert. Es hängt nur ein kleiner, runder Transponder daran.

Finn Bröcker: Hast du auch die Simonsvoss-Verschließung? 

Ich sitze eh meistens am Schreibtisch.
Marco Prinz, Hausmeister

Marco Prinz: Ja. Singe ich wirklich ein Loblied drauf. Da kannst du alle Schlösser drauf programmieren, dann brauchst du nur noch den Transponder hier. Schlüssel habe ich gar nicht mehr.

Bröcker: Das ist ein super System – wenn du die zweite Generation davon hast.

Petra Heinrichs: Also, ich habe noch so einen richtigen Schlüsselbund. Mein Vorgänger hatte mir einen riesigen Kasten hinterlassen, voller Schlüssel, dafür gibt es die Türen gar nicht mehr. Hat ein Jahr gedauert, das alles zu sortieren.

Christian Lother, zwei Meter groß, Hausmeister einer bayerischen Mittelschule, kommt in die Cafeteria. Sein Zug aus Bamberg war verspätet. Er macht eine Runde um den Tisch, stellt sich vor, alle sind direkt per Du. Bevor Herr Lother sich hinsetzt, zieht er seinen Schlüsselbund aus der hinteren Hosentasche und legt ihn auf den Tisch.

DIE ZEIT: Ach, Sie haben auch so eine Simonsvoss-Verschließung?

Christian Lother: Ich habe da alles drauf programmiert, nur auf dem einen Transponder. Sogar meine Hausmeisterwohnung.

Stefan Mühle: Den Schlüssel für den Sicherungskasten hab ich trotzdem immer noch dabei. Und den Vierkant. Innenvierkant, Außenvierkant, für die Toiletten.

Prinz: Aber wann brauchste eigentlich mal so’n Vierkant? Vielleicht zweimal im Monat. Und dann rennste immer damit rum.

Heinrichs: Den Vierkant habe ich in meiner Schreibtischschublade.

Prinz: Ich sitze eh meistens am Schreibtisch. Ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist. Aber ich denke, dass der Hausmeisterbegriff überholt ist. Wir sind eher die Hausverwaltung. Ich benutze fast nur noch meinen Laptop. Suche Firmen raus, die hier die Reparaturen übernehmen. Schreibe Mails an meine Vorgesetzten.

Bröcker: Ich auch. Aber im Sanitärbereich mache ich viel selbst. So kleinere Verstopfungen.

Prinz: Da traust du dich ran, an die Toiletten?

Bröcker: Ich bin ja gelernter Klempner.

ZEIT: Was findet man denn da so in einer Toilette?