Heute früh las ich in so einer Art Zeitung, der ehemalige Reality-TV-Star Menowin Fröhlich sei "zum fünften Mal Papa geworden". Diese Nachricht hat mich den ganzen Morgen über unnötig beschäftigt, ich habe mit ihr ein Problem. Nicht wegen des Inhalts – auguri, Herr Fröhlich, und Gottes Segen! –, sondern wegen der Formulierung. Bitte, was ist der Mann zum fünften Mal geworden? Papa?

Ich möchte, um hier möglichst schnell zum Punkt zu kommen, bitte vorschlagen, dass wir Autos künftig nur noch als "Brummbrumm" bezeichnen. "Ich bin im Brummbrumm zur Arbeit gekommen heute." "Der ehemalige Kärntner Landeshauptmann Haider ist im Brummbrumm verunglückt." Oder habe ich irgendwas falsch verstanden? Geht es gar nicht darum, dass Babysprache insgesamt besser ist? Denn offenbar gibt es Mütter und Väter nicht mehr. Es gibt nur noch Mamas und Papas. Das große Fernseh-Ereignis: "Unsere Mamas, unsere Papas".

Sprache verändert sich, das ist mir recht oder einerlei, ich kann für die Trottel, die über Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod lachen, nur wenig Verständnis aufbringen; aber es gibt doch bitte einen Unterschied zwischen Mutation und Degeneration. "Mama" ist kein Wort, "Mama" ist eine Bezeichnung, und zwar bezeichnet so ein Kind seine Mutter. Es gibt da verschiedene Alternativen: "Mami", "Mutti", sehr feine Leute sagen "Mamá", sehr coole Leute den Namen, "Sigrid" meinetwegen, diese Leute sind cool, weil sie schon als Kinder nicht mehr wie Kinder sprechen wollen.

Wenn ich mein Kind in der Kita abhole, sagt die Erzieherin: "Dein Papa ist da." Das ist okay. Mein Kind ist sehr klein. Es kennt noch nicht die Summe aller Papas, die Väter. Es kennt mich. Mein Kind kann auch noch nicht lesen. Ich kann schon lesen. Ich bin alt genug, um zu wissen, dass Vater das Wort ist für Männer, die Kinder haben, die Summe aller Papas, Vatis, Vatterns, Babas, Alters und so weiter.

Menowin Fröhlich ist Vater geworden. Vater. Sprecht mir nach, aber nein, tut ihr nicht, schafft ihr nicht, "Papaaa", schreit ihr.

Mir erzählen ständig erwachsene Menschen in erwachsenen Lebenssituationen so was wie "Meine Mama ist Steuerberaterin" oder "Mein Papa hat Krebs". Wann, frage ich mich, sehe ich diese Leute auf dem Büroflur über die eigenen Füße stolpern, fallen und zu greinen anfangen? Wann bleiben sie auf dem gemeinsamen Weg zum Mittagessen plötzlich auf der Straße stehen, um auf einen Hund zu zeigen und aufgeregt "Wauwau! Ooooh! Wauwau!" zu sagen?

Wir müssen uns jetzt bitte mal alle gemeinschaftlich zusammenreißen. Denn das mit "Mama" und "Papa" ist ganz einfach zu verstehen. Es ist – entweder – Infantilisierung: Ihr wollt gerne noch wie ganz kleine Kinder behandelt werden. "Mein Papa lebt in Stuttgart": Wenn ihr so sprecht, sehe ich in meinem Kopf, wie ihr euch den Daumen in den Mund schiebt. Oder ich stelle mir vor, dass ihr eine Windel tragt unter dem Saint-Laurent-Power-Suit. Ihr wollt einfach irgendwie süß gefunden werden oder mich mitleidheischend daran erinnern, dass auch ihr, die ihr euch jetzt den Bart rasiert oder die Beine, einmal ganz niedliche kleine Bubus wart. Ihr findet euch selbst süß, das ist extrem unangenehm. Oder es geht um Verharmlosung: Ach, die Clarissa, Mama ist sie gerade geworden. Wie süß, das ist schön, so eine richtige Mama, mit entzündeter Brust, Dammriss, Schlafstörung und postpartaler Depression. Kuckuck!

Am härtesten natürlich: Opa und Oma. "Sind Sie der Opa vom kleinen Leo?" – "Nein", lautet die einzig korrekte Antwort, "aber ich bin sein Großvater." Opa ist nämlich nicht nur die rührende, herzerwärmende Bezeichnung eines Enkelkinds für seinen Großvater, es ist auch eine Beleidigung. Ein alter Mann, der einen fast überfährt, um dann erschrocken eine Vollbremsung hinzulegen, wird im Straßenverkehr natürlich mit "Ey, Opa, alles klar!?" angeschrien.

Opa ist entweder sehr intim oder herabwürdigend. Ein Opa ist kein würdiger Nestor, sondern ein tatteriger, unzurechnungsfähiger Depp, der ohne zu blinken gefährlich links abbiegt, weil er nicht mehr ganz beisammen ist. Eine Oma ist eine harmlose alte Frau, der man den Hunderter aus der ausgebeulten Handtasche fischen kann, und dann sitzt sie alleine vor Traumschiff und weint. "Traurige Oma lebte jahrelang von Katzenfutter", so was liest man dann in der sogenannten Zeitung; "Neinein: Papa von Menowin lässt Wauwau in Brummbrumm".