Sechs Landesbanken gibt es in Deutschland. Wozu, das ist ungewiss. Vielleicht damit mindestens sechs Landesregierungen eine Bank haben, bei der sie mitreden können, weil sie (Mit-)Eigentümer sind. Oder damit die Sparkassen auch eine Art Spitzeninstitut der jeweiligen Region haben, wo sie dann ein bisschen auf große Bankenwelt machen können. Man weiß es nicht genau.

Bekannt ist hingegen, dass solch eine öffentlich-rechtliche Bank ein paar Schwierigkeiten mit sich bringt. Zum Beispiel ist eine Kapitalerhöhung schwierig, weil die Länder meist wenig Geld haben. Und dann verspekulieren sich die Landesbanken mitunter. Zuletzt auch öfter mal.

Etwa die mittlerweile zerschlagene WestLB, lange der Stolz der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Sie war die größte, die mächtigste, die faszinierendste deutsche Landesbank. Zu ihren besten Zeiten hatte sie Anteile an jeder Menge Industriekonzerne der Region – und erlaubte auf diese Weise der Landesregierung, dort indirekt Einfluss zu nehmen. Später stieg sie ins Investmentbanking ein, war so international wie keine andere Landesbank und investierte in großem Stil in Papiere aus sogenannten Subprime-Krediten in Amerika. Das brachte sie in der Finanzkrise in arge Bedrängnis. Nach langen Debatten über die Verschmelzung mit anderen Landesbanken wurde die einst so stolze Bank schließlich im Jahr 2011 aufgelöst.

Mit der Finanzkrise hatten auch zahlreiche weitere Landesbanken zu kämpfen. Gleich mehrere waren im Subprime-Markt unterwegs und wurden schwer angeschlagen. Andere, wie die HSH Nordbank, hatten in großem Stil Geld für den Bau von Schiffen verliehen, die in der Finanzkrise und der darauf folgenden Wirtschaftskrise keiner brauchte. Die Kredite wurden "faul", wie man das damals nannte, die HSH Nordbank geriet in Schwierigkeiten. Bald gibt es sie als Landesbank nicht mehr, sie gehört dann Privaten, unter anderem einem amerikanischen Hedgefonds. Die faulen Papiere allerdings, die gibt es weiterhin im Besitz der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg. Sie bescheren den Steuerzahlern Milliarden-Verluste.

Landesbanken haben also nicht den besten Ruf. Es gibt aber noch einige von ihnen. Und vor wenigen Tagen kursierte ein Plan. Gleich drei von ihnen sollen verschmelzen zu einer Mega-Landesbank. Es handelt sich dabei um große Institute: NordLB, Helaba, Landesbank Baden-Württemberg plus die Fondsgesellschaft Deka und die Immobilienbank Berlin Hyp. Die Fusion ist deshalb im Gespräch, weil die betroffenen Landesbanken alle zu Teilen den regionalen Sparkassen gehören, die wiederum bundesweit zusammenarbeiten. Auch Deka und Berlin Hyp gehören den Sparkassen. Sie würden sich also eine Art Megainstitut schaffen, wie es die Genossenschaftsbanken schon haben. Insgesamt geht es um Institute, die 28.000 Mitarbeiter haben, betroffen wären fünf Bundesländer als Miteigner.

Eigentlich ist die Fusion eine gute Idee. Es gibt nicht nur eine Menge Effizienzen zu heben, wie man so schön sagt, wenn es darum geht, Stellen zu streichen. Sondern es sind auch sehr viele kluge Menschen der Meinung, dass es auch richtig ist, das zu tun, weil es zu viele Landesbanken gibt. Das findet etwa der Bankenexperte und emeritierte Ökonomieprofessor Martin Hellwig. "Es ist kein Zufall, dass die Krise die Landesbanken in besonderem Maße getroffen hat", sagte Hellwig einmal in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die EU-Kommission hatte dafür gesorgt, dass die Landesbanken seit 2005 ohne Staatsgarantien auskommen mussten. Die meisten Landesbanken verstanden es aber laut Hellwig nicht, auch ohne Garantie lohnende Geschäftsmodelle zu finden.

Die Fusion ist also sinnvoll, aber nur wenn sie auch dazu führt, dass ganze Geschäftsbereiche zusammengelegt und gestrafft, ja sogar aufgegeben werden. Wenn also der Ballast verschwindet, der die Institute so lange schon belastet. Einfach nur eine größere Bank zu bauen wäre vielleicht im Sinne der Eigentümer – sie wäre dann auf jeden Fall too big to fail, zu groß, als dass man sie im Falle des Scheiterns pleitegehen lassen könnte. Aber genau das wäre nicht im Sinne der Allgemeinheit. Die profitiert nur, wenn Landesbanken, die kein Geschäftsmodell mehr finden, verschwinden oder zusammenschrumpfen, gegebenenfalls eben auch durch Fusionen.

Das wäre ein Konzept, das Bankenexperten und Steuerzahlern gefallen könnte. Doch es ist unwahrscheinlich, dass diese Riesen-Landesbank kommt. Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist, dass die Megabank nicht unbedingt im Interesse der Länder liegt. Ihre Anteile und damit ihr Einfluss könnten durch die Fusion sehr verwässert werden. Mal abgesehen davon, dass vermutlich nicht jeder regionale Sitz der Bank in alter Größe erhalten werden könnte. Betroffen wären die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen, Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart. Schon ist aus Baden-Württemberg zu hören, dass man das Großinstitut keinesfalls für eine geniale Idee hält. Zumal etwa die Landesfinanzministerin bekannte, von den Plänen erst aus der Zeitung erfahren zu haben: "Mit uns als Miteigentümer der LBBW hat noch niemand geredet, bevor diese detaillierten Pläne in die Welt gesetzt worden sind", schimpfte sie.

Und selbst wenn alle am Ende doch wollten: Die Gremiensitzungen, die für eine solche Megafusion notwendig wären, würden ohne Druck von außen vermutlich ewig dauern. Schon öfter war die Idee aufgekommen, Landesbanken zu fusionieren. Manchmal hat es geklappt, meistens ist es gescheitert. Es ist fraglich, ob die Krise der NordLB, die der Auslöser der Überlegungen ist, wirklich bedeutend genug ist, ein Vorhaben dieser Größe anzutreiben.

Manche halten das Ganze deshalb sogar nur für einen Trick. Dass der Vorschlag, auf den viele Experten schon so lange warten, gerade jetzt kommt, könnte demnach konkreten Interessen geschuldet sein. Derzeit geht es um die Zukunft der NordLB. Sie braucht dringend Geld und dafür neue Investoren. Eine Menge private Bieter, darunter die Commerzbank, haben sich ins Spiel gebracht. Doch die Sparkassen, die derzeit rund ein Drittel der Anteile halten, wollen lieber keine Privaten im Kreis der Eigentümer. Auch deshalb locken sie mit einem Mega-Vorhaben.

Trotzdem bleibt es eine gute Idee. Doch so viel Warnung muss sein: Man sollte sich jetzt noch nicht zu sehr freuen. Es könnte ein kühner Traum der Sparkassen bleiben, der nicht Wirklichkeit wird.