Man weiß, was einem mit der Bahn alles passieren kann. Böschungsbrände, Signalstörungen, stundenlanges Verharren im Nirwana. Aber am schlimmsten ist es, wenn man nach alldem spätabends die Hamburger Zivilisation erreicht, glücklich und erleichtert – und dieses Empfinden im Nu großer Enttäuschung weicht. Denn als man um kurz vor Mitternacht mit dem schweren Koffer aus dem Bahnhof kommt, fehlt, worauf man sich die ganze Fahrt lang schon gefreut hatte: ein Taxi. Ein Taxi, das einen ohne Warten, Hangen und Bangen, ohne Trara, Lauttelefonierer, technische Schikanen und außerplanmäßigen Zwischenhalt nach Hause bringt. Weit und breit ist keins zu sehen.

Wäre man im letzten Provinz-Kaff oder in Ribnitz-Damgarten, Gronau oder Wolfsburg, man würde nichts anderes erwarten. Aber hey, das ist die aufstrebende Super-Metropole Hamburg! Und während man aus den Augenwinkeln einen anderen Ex-Mitreisenden beobachtet, der gotteslästerlich fluchend einen Überseekoffer und eine Reisetasche auf einem Stadtrad Richtung HafenCity balanciert, erinnert man sich, dass dies nicht die erste Taxienttäuschung am Hauptbahnhof ist. Warum können die Taxi-Unternehmen, die doch sonst immer mit viel Getöse und Gejammer dabei sind, das nicht vernünftig organisieren? Gehören Taxis nicht irgendwie zur Grundversorgung?

Leider nein.

"Ich verstehe die Verärgerung, das würde mir auch so gehen", sagt uns Dirk Schütte, Vorstandsvorsitzender der Hansa Funktaxi eG 211211. "Aber im Namen des gesamten Taxigewerbes bitte ich um Verständnis dafür, dass wir nicht immer überall in der Hansestadt präsent sein können." Um die 3000 Taxen gibt es in Hamburg, aber nur ein Drittel davon fährt quasi rund um die Uhr. Etwa 2000 der Wagen gehören selbst fahrenden Unternehmern. Ein-Mann- oder Eine-Frau-Firmen. Die meisten von ihnen überlegen sehr genau, wann sie fahren und wann sie frei haben wollen. Was die anderen Taxen angeht, kann es durchaus vorkommen, dass dann ein paar große Veranstaltungen, ein anlegendes Kreuzfahrtschiff und/oder mehrere ankommende Züge reichen, um sie alle in Beschlag zu nehmen.

Für den Fall bietet beispielsweise Hansataxi am Hauptbahnhof – wie auch am Flughafen – einen Abholservice an. Unter der Nummer 040-211 17 44 kann man einen Wagen bestellen, dessen Fahrer einen sogar persönlich am Bahnhofsausgang abholt. Welch erhebendes Gefühl, dann mit rauer Bruce-Willis-Stimme zu sagen: "Bringen Sie mich nach Hause!"