Wer steckt hinter dem Flüchtlingstreck in Lateinamerika? Wer finanziert die Massenproteste im Iran? Wer steht hinter dem Erfolg der Operation Libero? Ein Mann: George Soros!

Was absurd klingt, wird im Abstimmungskampf über die Selbstbestimmungsinitiative der SVP in rechtsnationalen Kreisen als Wahrheit rumgeboten. Die Operation Libero und ihre Co-Präsidentin Flavia Kleiner seien lediglich Bäuerinnenfiguren im geopolitischen Schachspiel des Multimilliardärs, der sich mit seinem philanthropischen und politischen Engagement viele Feinde geschaffen hat.

Es ist eine klassisch antisemitische Kampagne: Soros, der heimatlose Geselle, der Schattenmann, der über das Schicksal der Welt bestimmt. In Osteuropa vergiftet diese Wahnvorstellung die Politik seit Langem. Nun ist sie in der Schweiz angekommen. Wie dies passiert ist, hat die Republik anfangs Woche fein säuberlich nachgezeichnet.

Klar, ich bin Partei. Ich bin einer der Mitgründer der Operation Libero und saß zwei Jahre in deren Vorstand. Im Winter 2014 hatte die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative viele meiner Freunde und mich politisiert. In gut helvetischer Miliztradition setzten wir uns zusammen, um zu verändern, was uns störte. Wir hirnten abendelang und blieben in den Ferien zu Hause, um an unseren Ideen weiterzuspinnen.

Wie alle politischen Menschen sind auch wir von einer ehrlichen Sorge und einer ebenso ehrlichen Liebe zur Schweiz getrieben. Einer Liebe, die sich darin äußert, dass man sich einsetzt fürs Gemeinwesen – und nicht nur alljährlich murrend seine Steuern überweist.

Dass die Vision der Operation Libero nur einen Teil der Bürger anspricht, ist klar. Wir alle sind von unterschiedlichen Werten beseelt und verfolgen unterschiedliche politische Ziele. Ich selber habe Freunde in der Juso und in der SVP. Wer für eine humane und konstruktive Politik einsteht, der darf Menschen mit anderen politischen Visionen nicht als seine Feinde betrachten. Auch sie setzen sich nach bestem Wissen und Gewissen für unsere Gemeinschaft ein.

Wer aber dem politischen Gegner unterstellt, er werde für seine Politik von einem Multimilliardär bezahlt, ja, er sei Teil einer Verschwörung, der zerstört den politischen Diskurs. Das trifft übrigens auch zu, wenn Linke glauben, liberale Politiker seien nur Marionetten des internationalen Kapitals, oder wenn Bürgerliche behaupten, alle SVPler gehorchten einem Masterplan, der in Herrliberg ausgeheckt worden sei.

Wer Verschwörungstheorien aufsitzt, macht sich fundamentaler Denkfaulheit schuldig. Die eigenen Unzulänglichkeiten lassen sich bequem den angeblichen Machenschaften finsterer Kräfte zuschreiben. Das bunte Wirrwarr der Realität, in der eine unendliche Anzahl von Akteuren gleichzeitig vor sich her wursteln, wird auf ein stumpfes Entweder-du-bist-mit-uns-oder-gegen-uns reduziert.

Wer behauptet, eine Partei oder eine Bewegung könne in der Schweiz nur Erfolg haben, wenn ein Milliardär im Hintergrund die Fäden zieht, entwertet die Arbeit jener, die freiwillig ihre Organisationen aufbauen. Dies gilt für die Operation Libero wie für die SVP.

Wer behauptet, es könne nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn Flavia Kleiner in der Politik rasch bekannt wird, delegitimiert die Arbeit einer intelligenten jungen Frau. Wer nicht anerkennen kann, dass andere Menschen die Welt anders sehen, und wer deshalb Andersdenkende als unehrlich diffamiert, denkt totalitär. Wer sich nicht vorstellen kann, dass es ganz normale Menschen gibt, die der Operation Libero ein wenig Geld spenden, wer sich für das wahre Volk hält und denkt, dass alle, die eine andere Ansicht haben, von dunklen Mächten gesteuert sein müssen, der greift die Demokratie im Kern an.

Dagegen müssen wir uns wehren! Wir alle.