Die Zeiten, in denen die Frauen Union (FU) in der CDU als "Faltenrockgeschwader" verlacht wurde, sind vorbei. Jedes weibliche CDU-Mitglied, das nicht widerspricht, wird automatisch Mitglied der FU; mit ihren inzwischen 155.000 weiblichen Mitgliedern ist sie eine Macht – die einzige Hausmacht, die Angela Merkel in ihrer Partei je hatte. "Hier fühle ich mich getragen", hat sie einmal, in ungewohnter Vertrauensseligkeit, auf einer Bundestagung gesagt, wozu die Parteifreundinnen begeistert mit den Füßen trampelten. Die Frauen trugen Buttons, auf denen "Chefin" oder "Frau Kanzler" stand. Merkels Erfolg auf der Weltbühne, das war auch ihr Erfolg. Jetzt aber, da die Kanzlerin ihren Rückzug aus der Politik ankündigte und das Comeback von Friedrich Merz ins Haus steht, herrscht bei der Frauenvereinigung Alarmstimmung.

Backlash, zu Deutsch: Rückschlag, lautet die Sorge, dass all die frauenpolitischen Geländegewinne verloren gehen könnten, die in der Ära Merkel Normalität geworden zu sein schienen. War das eine Täuschung, ist die Ära Merkel doch das, als was sie zu Beginn gesehen wurde: ein "Unfall", eine "Notlösung", die große "Ausnahme"?

Deutschland unter Merkel – das war zunehmend eine Insel. In vielen Weltgegenden haben Autoritäre die Macht ergriffen, die sich damit brüsten, Frauen ungestraft gedemütigt zu haben. Und eben dafür gewählt werden. Der türkische Präsident Erdoğan wollte sich verbitten, dass Frauen auf der Straße lachen; der neue brasilianische Präsident Bolsonaro erklärte einer politischen Gegnerin, sie sei zu hässlich, um sie zu vergewaltigen; Trump quittierte Anschläge auf seine Herausforderin Hillary Clinton mit einem Grinsen. Das Patriarchat schlägt zurück, sogar in Europa: Ungarns Regierung will die Genderforschung abschaffen.

Von alledem kann natürlich unter Christdemokraten keine Rede sein; aber es bildet den Hintergrund, vor dem der Rückzug Merkels stattfindet. Die Angst ist nicht etwa, dass Friedrich Merz die Frauen in die Küche zurückschicken will – auch wenn nicht vergessen ist, dass er sich kritisch über die Mütterrente geäußert hat und Vergewaltigung in der Ehe nicht als Straftatbestand sehen wollte. Die Angst geht um, dass Frauen wieder zu einer "geförderten Minderheit" werden. Dabei sind sie längst etwas, das viel schwerer zu ertragen ist: eine Konkurrenz. "Viele Männer in der Partei", berichtet die niedersächsische FU-Landesvorsitzende Ute Krüger-Pöppelwiehe, "sagen jetzt wörtlich zu mir: Es war lange genug eine Frau. Jetzt ist mal gut. Ich sage: Habt ihr die 55 Jahre davor vielleicht irgendwie vergessen?"

Auf faszinierende Weise hat sich die CDU-Frauenpolitik über die Jahre mit der Integrationspolitik verknüpft. Frauen und Migranten, Frauen und Flüchtlinge – die Koppelung stammt eigentlich noch aus der Denkweise, dass man für beide eben ein Minderheitenprogramm benötige. Es fing an mit Rita Süssmuth und dem sogenannten "Emanzenparteitag" 1985, fand seine Fortsetzung in der Pfälzerin Maria Böhmer, die ebenfalls Integrationsbeauftragte und FU-Vorsitzende zugleich war, und wird heute von Annette Widmann-Mauz in gleicher Personalunion fortgeführt. Deshalb fühlen sich viele FU-Frauen gleich doppelt für das Erbe der Ära Merkel verantwortlich: Die prinzipielle Offenheit gegenüber Flüchtlingen und die Förderung von Frauen gehören für sie zusammen.

Aber genau an dieser Stelle scheiden sich jetzt, anlässlich der Kandidatur von Annegret Kramp-Karrenbauer ("AKK" genannt), die Geister. Sylvia Pantel, FU-Vorstand aus Düsseldorf und Sprecherin des konservativen Berliner Kreises, macht keinen Hehl daraus, dass ihr die ganze Richtung der Frauen Union nicht passt, so wie ihr auch die Flüchtlings- und Integrationspolitik Merkels nicht gepasst hat. "Wenn es um Themen wie Burka-Verbot, Beschneidung, Kopftücher oder die Zusammenarbeit mit Islam-Verbänden geht, würde ich mich freuen, wenn der Ansatz von Frau Widmann-Mauz konsequenter wäre. Mädchen, die hier geboren sind, sollen die gleichen Chancen haben wie Jungen – da bin ich Feministin." Pantel lässt einen nicht lange rätseln, wie sie sich auf dem CDU-Parteitag im Dezember entscheiden wird: "Man muss sich doch jetzt fragen: Was ist für die Partei besser. Und die Partei braucht einen Aufbruch. Dafür steht Friedrich Merz."