Das sind sie: die vier Hoffnungsträger der Christlich Demokratischen Union Deutschlands. Vier, die nun, da die Kanzlerin ihren Rückzug aus der Politik erklärt hat, für ihre Nachfolge infrage kommen (Laschet mag angekündigt haben, nicht für den Parteivorsitz zu kandidieren, dass auch das ein Weg sein kann, Angela Merkels Erbe anzutreten, sagte er natürlich nicht). Zweierlei eint die vier: Sie alle stammen aus dem Westen der Republik und sie alle sind gläubige Katholiken. Wenigstens in diesen beiden Belangen sind die vier allesamt Anti-Merkelianer, die Wunschkandidatin der Kanzlerin eingeschlossen.

Das C wird wieder wichtiger in der Union, das suggerieren diese vier Hoffnungsträger. Um genauer zu sein: das Katholische. Bis die protestantische Pfarrerstochter aus der Uckermark die katholische Lesart des Christlichen en passant verdrängt hat, ohne ihr eigenes Seelenleben besonders zur Schau zu stellen, gehörte diese Lesart noch zum Markenkern der Christdemokraten. Dass es einen evangelischen, aber keinen katholischen Arbeitskreis in der Union gibt, weil er schlicht unnötig war, ist ein Relikt dieser Zeit, die jetzt offenbar wiederkehrt: Armin Laschet und Annegret Kramp-Karrenbauer engagieren sich im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Und auch Jens Spahn glaubt gerne öffentlich. Bemerkenswert ist deshalb auch, dass einer der Kandidaten – Friedrich Merz – wenig über sein Christsein spricht, wenngleich "katholisch-konservativ" in keinem Text über ihn fehlen darf.

Und ein Drittes eint zumindest drei der vier: Armin Laschet (Nr. 1/2018), Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (Nr. 20/2018) konnten Sie, liebe Leserinnen und Leser, in den vergangenen Monaten in Christ&Welt im Wortlaut lesen. Die Generalsekretärin, der Gesundheitsminister und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident sprachen über ihren Glauben, was sie an ihrer Kirche stört, was sie hoffen lässt, wie sie das C verstehen und wie sie es füllen wollen. Wir fassen ihre Gedanken dazu auf dieser Seite noch einmal für Sie zusammen.

Hannes Leitlein

Annegret Kramp- Karrenbauer

Über das C in der CDU: "Als Generalsekretärin der CDU ist mir wichtig, darauf hinzuweisen: Wir machen keine – und ich mache keine – christliche Politik. Das wäre auch ein ungeheuer großer Anspruch, den niemand erfüllen könnte. Wir machen Politik auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes. Das ist etwas anderes."

Über Frauen in der katholischen Kirche: "Frauen müssen Leitungsfunktionen in der Kirche übernehmen." – "Ich könnte mir durchaus eine Frauenquote in der katholischen Kirche vorstellen." – "Wir müssen für das echte Ziel, für das echte Diakonat kämpfen." – "Ich wünsche mir, dass die Priesterinnenweihe kommt." – "Ich hätte mir vorstellen können, selbst Priesterin zu werden. Aber ich weiß, wie unmöglich das gewesen wäre." – "In der Gefolgschaft von Jesus gab es starke Frauen."

Über die Bibel: "Ich mache mir die wortgetreue Schilderung der Bibel nicht zu eigen. Ich glaube nicht, dass Gott die Welt buchstäblich in sieben Tagen erschaffen hat". – "Ich könnte nie ein strenggläubiger Mensch sein, der den Glauben im Zweifel über die Menschen stellt." – "Ich bin das säkularisierte Modell einer Christin und glaube: Das ist der einzige Weg, wie Menschen verschiedener Religionen friedlich miteinander leben können."

Über ihren persönlichen Glauben: "Mein Alltag ist nicht so geprägt und durchdrungen von den Traditionen, von den Vorgaben des Glaubens, wie das bei meinen Eltern der Fall war. Für mich ist Glaube etwas sehr Persönliches. Er richtet sich nach innen." – "Früher bin ich oft in die Kirche gegangen, weil ich musste. Wenn ich heute gehe, dann weil ich auch ein echtes Bedürfnis dazu habe. Trotzdem gehe ich nicht so regelmäßig wie meine Eltern damals."

Armin Laschet

Über seine Heimatkirche: "Meine Pfarrei ist St. Michael in Aachen-Burtscheid. Dort predigt noch der Pfarrer, der mich getraut hat. Die Kirche ist 800 Jahre alt. Am Tag vor der Landtagswahl war Angela Merkel in Aachen, da habe ich ihr diese Kirche gezeigt. Sie wollte sehen, wo ich herkomme."

Über den Gottesdienst: "Dort fällt Anspannung von mir ab. Es ist eine ungewöhnliche Stunde. Ich telefoniere da nicht, twittere nicht, schaue nicht auf das Handy. Ich sitze nur da, nehme teil. Ich mag es, dass die katholische Kirche Weihrauch hat. Und Orgeln. Das spricht die Sinne an. Echte Stille ist nur schwer auszuhalten. Manchmal wünscht der Pfarrer, dass die Menschen eine Minute schweigen. Dass sie über sich selbst nachdenken. Dann fangen schon die Ersten an, sich zu räuspern, sich zu bewegen."

Über den Moment, wenn es still ist: "Wenn ich spätabends in die NRW-Landesvertretung in Berlin komme. Manchmal übernachte ich dort. Dann bin ich allein in diesem riesigen Gebäude. Nur der Pförtner sitzt dort. Ich höre keinen Laut, nur mein eigenes Atmen. Es ist menschenleer. Einen stilleren Ort finden Sie nicht. Meine Tage sind oft hektisch. Egal wo ich hinkomme, wird erwartet, dass ich spreche, dass ich zuhöre, dass ich liefere. Selbst wenn ich privat irgendwo essen gehe, will oft jemand mit mir sprechen oder ein Selfie machen. Das beschwert mich nicht, aber ich erlebe nicht viele Phasen der Ruhe. Im Flugzeug vielleicht noch."

Jens Spahn

Über seine katholischen Wurzeln:" Wo ich herkomme, da fragt keiner, ob man gerne Katholik ist. Man ist es. Mein Elternhaus ist gerade mal 80 Meter von der Dorfkirche entfernt. In Ottenstein lebt sie noch, die Volkskirche, und ich bin eines ihrer Kinder." – "Für mich ist das Heimat, Geborgenheit, Sicherheit und Gelassenheit." – "Ich orientiere mich an Ritual und Tradition. Sie geben meinem Leben Struktur und Halt." – "Der Katholizismus ist eine Ressource, die wir noch viel zu wenig nutzen in der pluralistischen Gesellschaft. Er steht mitten im Leben, er ist das pralle Leben."

Über Kirche und Politik: "Meine Partei muss wie alle im Bundestag um Mehrheiten ringen. Nur weil sie das C im Namen trägt, kann kein Bischof erwarten, dass wir kirchliche Dogmen eins zu eins umsetzen." – "Natürlich sollen, ja müssen sich Christen politisch äußern, die Vertreter der Amtskirche inbegriffen. Das heißt aber nicht, dass die Kirche sich als Moralinstanz in jede tagespolitische Frage einmischen muss. Gelebtes Christentum ist für mich Ausdruck einer inneren Haltung. Aus dieser Haltung leite ich jedoch nicht ab, wie hoch der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung sein muss. Das ist keine moralische, sondern eine Sachfrage. Zudem hat die Kirche einen anderen Auftrag als etwa eine Gewerkschaft."

Über die Haltung der Kirche zur Homosexualität: "So viele Chancen werden da vertan. Zum Beispiel bei der Segnung homosexueller Paare: In einem der wichtigsten Momente des Lebens erbitten Menschen den Beistand der Kirche. Doch statt diese Menschen mit offenen Armen zu empfangen, verstößt die Kirche sie, behauptet, sie hätten keinen Segen verdient. Damit macht man so viel kaputt." – "Vor meiner Heirat habe ich niemals darüber nachgedacht. Als Katholik wusste ich, dass das eh nicht geht. Meinem Mann jedoch wäre eine solche Segnung wichtig gewesen."

Friedrich Merz

Katholisch ist der Sauerländer. Viel mehr allerdings ist nicht bekannt über das Glaubensleben des 62-Jährigen. In Interviews und Artikeln findet sich kaum ein Hinweis darauf, was ihm das C bedeutet. Nur so viel: Als Jugendlicher engagierte sich Merz im Bibelkreis der Katholischen Jungmännergemeinschaft, er ministrierte im Krankenhaus Maria Hilf, und während seines Studiums war er Mitglied der nichtschlagenden Studentenverbindung "Bavaria Bonn". Seine Frau ist in der evangelischen Kirche engagiert. Als einer der jüngsten Abgeordneten stimmte er 1995 gegen die Neuregelung des Abtreibungsrechts, 1997 votierte er gegen die Gleichstellung des Straftatbestands der Vergewaltigung innerhalb und außerhalb der Ehe, 2001 hat er sich gegen die Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen. Er ist gegen kopftuchtragende Lehrerinnen, jedoch für Islamunterricht an Schulen.