Manchmal, leider nur selten, ergeht es dem märkischen Amtsrichter wie Theodor Storms Märchenfigur Häwelmann. Dann baut er aus seiner Robe ein Segel, gleitet auf einem Mondstrahl durch das Schlüsselloch aus seiner Dienststube – und findet sich etwa in der Inneren Mongolei wieder. Gemeinsam mit neun deutschen Justizbrüdern und -schwestern fährt er in einem Bus, eskortiert von drei Polizeiwagen mit Blaulicht, über die abgesperrten sechsspurigen Straßen der Millionenstadt Ulanhot, von der er noch nie gehört hat, passiert endlos aneinandergereihte Wohnkuben und ein Dschingis-Khan-Denkmal. Man erwartet uns im Mittleren Volksgericht des Hinggan-Bundes. Weil die Erwartung nicht nur der juristischen Busladung gilt, sondern auch deren ganzem deutschen Beigepäck, üben sie jetzt für den Abend ein Lied: "He ho, spann den Wagen an, seht, der Wind treibt Regen übers Land." Der Amtsrichter, nach 25 Berufsjahren als Vorsitzender sich eigentlich für Gruppenreisen untauglich wähnend, singt staunend und aus voller Kehle mit.