Helmut Schmidt war der fünfte Kanzler der Bundesrepublik und gestaltete die Außenpolitik in einer entscheidenden Übergangsphase hin zu einer eigenständigen außenpolitischen Rolle des westdeutschen Staates auf der Weltbühne. Zuvor hatte es eine deutsche Außenpolitik, jenseits der Wiedergewinnung staatlicher Souveränität nach innen wie nach außen, nicht gegeben.

Nach 1945 existierte faktisch keine deutsche Staatlichkeit mehr und schon gar keine deutsche Außenpolitik. Der westdeutsche Teilstaat wurde zwar 1949 gegründet, blieb aber vorerst unter der Oberaufsicht der westalliierten Besatzungsmächte, und das hieß ohne das Recht auf eine eigene Außenpolitik. Das Auswärtige Amt wurde erst im Jahr 1952 mit dem Ende des Besatzungsstatuts und der Wiedererlangung der außenpolitischen Souveränität neu gegründet.

Der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, stand vor der Aufgabe, nach dem völligen Desaster des Nazi-Reiches und der totalen Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg überhaupt erst einmal wieder so etwas wie eine eigenständige deutsche Staatlichkeit unter der Aufsicht der Alliierten herzustellen und ein Ausgreifen der Sowjetunion nach Westen (und West-Berlin) zu verhindern – eine Gefahr, die mit der Berlin-Blockade 1948/49 sehr konkrete Formen angenommen hatte: Gemeinsam mit dem Koreakrieg (1950–1953) am anderen Ende der Welt markierte sie den Beginn der Hochphase des Kalten Krieges, der später dann in seine zweite Phase des thermonuklearen Wettrüstens zwischen den beiden Supermächten, den Hauptsiegern des Zweiten Weltkriegs, eintreten sollte.

Für Adenauer hatte die politische und militärische Westintegration des westdeutschen Teilstaates eindeutig Vorrang gegenüber der nationalen Einheit. Durch ein neutrales wiedervereinigtes Deutschland sah er Demokratie und Freiheit gefährdet: Das Risiko, in die Abhängigkeit von Moskau zu geraten, war ihm zu groß. Aber auch seine historische Erfahrung mit Deutschland spielte eine entscheidende Rolle. Adenauer hielt den deutschen Sonderweg zwischen Ost und West für eine der zentralen Ursachen der deutschen Katastrophe im 20. Jahrhundert. Nur eine eindeutige, zweifelsfreie Integration der Bundesrepublik in die westliche Staatengemeinschaft konnte die Gefahr ein für alle Mal bannen. Die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und die Aufnahme in die Nato waren dafür von zentraler Bedeutung – ebenso die deutsch-französische Aussöhnung, die mit dem Élysée-Vertrag vom Januar 1963 einen Höhepunkt erreichte, und die beginnende europäische Integration in Gestalt der Montanunion.

Die beiden auf Konrad Adenauer folgenden CDU-Kanzler, Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger, verwalteten mehr oder weniger Adenauers Erbe und haben außenpolitisch kaum Spuren hinterlassen. Sie verfügten nicht über die Kraft – die große Koalition unter Kurt Georg Kiesinger vor allem –, den entscheidenden zweiten Schritt zur Wiedergewinnung der außenpolitischen Souveränität Westdeutschlands zu tun, nämlich die Öffnung zum Osten und die Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn. Die Haupthindernisse waren die nach wie vor in Westdeutschland "offenen" Fragen der endgültigen Ostgrenze Deutschlands (Oder-Neiße-Linie), das Rückkehrrecht der Heimatvertriebenen und die Anerkennung des ostdeutschen Staates, der DDR.

All diese Punkte fanden bei den westlichen Verbündeten der Bundesrepublik keine wirkliche Unterstützung, gehörten allesamt also in das Reich der westdeutschen Nachkriegsillusionen, die in der damaligen Bonner Innenpolitik noch sehr wirkungsmächtig waren. Es bedurfte des ersten Machtwechsels in der Bonner Republik hin zur sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt, um mit der neuen Ostpolitik diesen notwendigen und gleichwohl politisch sehr riskanten außenpolitischen Schritt zu gehen.