Schon seltsam, wie gleichmäßig so eine ungleiche Beziehung zu Ende gehen kann. Nicht einmal zwei Wochen sind vergangen, seit Angela Merkel angekündigt hat, den Parteivorsitz abzugeben. Nun deutet alles darauf hin, dass ihr ewiger Rivale es ihr gleichtut. Am kommenden Wochenende, wenn die engere CSU-Führung zusammenkommt, um über die Kandidaten für die Europawahl zu beraten, wird Horst Seehofer erklären, dass er sein Amt als Parteivorsitzender zur Verfügung stellt. So berichten es übereinstimmend mehrere Vertraute.

Der Mann, der die große Koalition von einer Krise in die nächste gestürzt hat, der noch vor Kurzem erst zurücktrat, um dann vom Rücktritt wieder zurückzutreten, dieser Mann will nun tatsächlich "selbstbestimmt abtreten". "Loslassen", wie es einer seiner Vertrauten im meditativen Sound dieser Tage formuliert.

Und es war ausgerechnet Angela Merkel, die dem CSU-Chef gleich doppelt bei der Entscheidung half: Einerseits erhöhte sie den Druck, weil ihr Rückzug zeigt, wie befreiend es für eine Partei sein kann, wenn sie sich personell erneuert. Gleichzeitig reduzierte sie den Druck dadurch, dass sie selbst beiseitetrat. "Horst ist seitdem einfach wahnsinnig erleichtert, dass er nicht auch auf Merkels Männerfriedhof gelandet ist", sagt einer seiner engsten Vertrauten. Nun könne er in Frieden gehen.

Aber Seehofer wäre nicht Seehofer, würde er in seinem Plan nicht auch noch eine List verstecken: Merkels Abgang zeige doch, dass man keinesfalls mit dem Parteiamt auch das Regierungsamt aufgegeben müsse, heißt es in seinem Umfeld. Und auch unter jenen in der CSU, die seit Monaten darauf drängten, dass er als Parteichef abtritt, hört man plötzlich eine neue Milde: Wenn "der Horst" Innenminister bleiben wolle, könne man sich damit arrangieren.