Aus Sicht der CSU spricht zweierlei für einen solchen halbierten Abschied: In den bayerischen Koalitionsverhandlungen musste die CSU das Innenministerium überraschenderweise nicht an die Freien Wähler abgeben. Minister Joachim Herrmann, der als natürlicher Seehofer-Nachfolger in Berlin angesehen wurde, soll also in München bleiben. Das entspricht seinen Wünschen ebenso wie denen des Ministerpräsidenten Markus Söder. Zudem rechnet man in der CSU damit, dass die große Koalition ohnehin nur noch bis zum Frühjahr überleben könne. Warum, fragen einige, solle man für diese Zeit noch einen neuen Innenminister berufen?

Es sieht also so aus, dass Seehofer dasselbe Experiment wagt wie Merkel: Macht teilen, um Macht zu behalten – in seinem Fall zumindest eine Rest-Macht. Ungelöst bleibt indes noch eine andere Frage: Wer führt die CSU, wenn Horst Seehofer geht?

Derzeit sind da vor allem zwei stumme Kandidaten. Markus Söder, der Ministerpräsident, und Manfred Weber, der am Donnerstag dieser Woche möglicherweise zum Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei für die Europawahl gewählt wird. Beide haben ihre Ambitionen bislang nicht offen formuliert. Söder spricht "nicht einmal im kleinsten Kreis" darüber, wie einer seiner Vertrauten fast beleidigt anmerkt. Und Weber, für den einige Granden aus dem liberalen Teil der Partei werben, belässt es bei Andeutungen, die selten über die allgemein gehaltene Forderung nach einer "breiter aufgestellten" Partei hinausreichen.

Die besten Aussichten hat derzeit Markus Söder. Wenn der Ministerpräsident auch Parteichef werden wolle, habe er "den ersten Zugriff", heißt es in München. Eine Kampfkandidatur wie in der CDU wollen alle in der CSU vermeiden, auch Webers Unterstützer.

Vieles spricht also dafür, dass Söder demnächst auf einem Sonderparteitag zum neuen CSU-Chef gewählt wird. Das wiederum hätte die Pointe, dass ein historisch unbeliebter Ministerpräsident ein historisch schlechtes Ergebnis einfährt und dafür schließlich mit der gesamten Machtfülle der Partei belohnt wird. Irgendwie passt auch diese Wendung in dieses eigentümliche Jahr.