Dieser Artikel stammt aus der ZEIT-Doctor-Beilage für Krebspatienten, die in ihren Beruf wieder einsteigen möchten.

Nein, danke!

Sätze, mit denen Chefs und Kollegen Rückkehrer lieber verschonen sollten

"Warum lässt du dich nicht einfach berenten?" Der Wiedereinstieg in den Job hat eine viel größere Bedeutung, als viele Gesunde denken: Er ist ein Beweis dafür, den Krebs überstanden zu haben, gebraucht zu werden. Er ist Selbstbestätigung, verbunden mit der Hoffnung auf Normalität. Und zu arbeiten bedeutet auch, wieder eigenes Geld verdienen zu können.

"Schön, dass Sie schon wieder so ranklotzen!" Oft wollen Rückkehrer die Krankheit schnell hinter sich lassen und stürzen sich in die Arbeit. Vorgesetzte sollten darauf achten, dass der Mitarbeiter rechtzeitig nach Hause geht und sich nicht übernimmt, damit er ihnen nicht ganz verloren geht.

"Ich bin auch immer so müde." Zwischen einem kleinen Tief und einer Fatigue liegen Welten. Diese Art Erschöpfung ist so stark, dass der Körper sofort Ruhe braucht. Wer versuchen will, zu verstehen, wie sich das anfühlt: lieber fragen und zuhören, als zu glauben, man wisse Bescheid.

"Was macht die Gesundheit?" Viele Krebserfahrene sehnen sich nach einem Alltag zurück, in dem es auch mal um etwas anderes geht als um Krebs. Besser, als zu oft und reflexhaft "Wie geht’s dir?" zu fragen, ist es, ab und an einen Rahmen zu schaffen, in dem ein Gespräch stattfinden kann. Also statt auf dem Flur oder in der Gruppe lieber bei einem Mittagessen.

"Früher warst du ehrgeiziger. Was ist los mit dir?" Eine Krebserkrankung ist ein radikaler Einschnitt. Die alten Bewältigungsmuster erweisen sich oft als wenig hilfreich. Es ist überlebensnotwendig, aus dem Selbstausbeutungs- in den Selbstfürsorge-Modus zu wechseln. Das hat nichts mit mangelnder Motivation zu tun.

"Du hast es gut, dass du immer so früh gehen kannst." Wer das sagt, möchte der Kollegin/dem Kollegen vielleicht bloß die positiven Aspekte der Situation vor Augen führen – bewirkt aber oft das Gegenteil: Schamgefühle, vielleicht auch Wut. Niemand macht eine Wiedereingliederung mit reduzierten Stunden aus Spaß.