Zwei Nachrichten vom Wochenbeginn, die den Lauf der Dinge im Nahen Osten noch lange bestimmen werden: Die US-Regierung hat sich entschieden, Saudi-Arabiens Kronprinzen Mohammed bin Salman vorerst nicht weiter wegen des Mordes an dem Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul zu bedrängen.

Zugleich setzten die Amerikaner am Montag jene Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft, die vor drei Jahren, nach Abschluss des Atomdeals, aufgehoben worden waren.

Die Verschonung des saudischen Kronprinzen und der parallel begonnene Wirtschaftskrieg gegen den Iran gehören zusammen. Ziel der Amerikaner ist es, dem Iran jeglichen Handel mit Öl zu verbieten, um das Land in die Knie zu zwingen. Damit der Ölpreis dabei nicht durch die Decke geht und womöglich eine weltweite Rezession bewirkt, sind die Saudis gefragt. Sie sollen durch Erhöhung ihrer Fördermengen den Ausfall iranischen Öls für den Weltmarkt kompensieren. Darum wird der Khashoggi-Mord keine Konsequenzen haben. Getreu der alten Maxime: Der Kronprinz mag ein Mistkerl sein, aber er ist unser Mistkerl.

Der Irrsinn der amerikanischen Politik, eine dieser beiden Seiten gegen die andere in Stellung zu bringen, muss endlich aufhören. Doch er geht nun in die nächste Runde.

Um ein islamistisches Schurkenregime einzuhegen, die Mullah-Herrschaft in Teheran, wird ein ebenso gefährliches und verbrecherisches Regime bedingungslos gestützt, die wahhabitische Kleptokratie der Familie Saud.

Es stimmt: Der Iran hat in Syrien schwere Schuld auf sich geladen, weil er dort den Krieg des Diktators Assad gegen sein Volk stützt. Doch die Saudis haben im Jemen mit ihren Bomben und ihrer Blockade die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart angerichtet. Ja, Iran bedroht Israel durch die Unterstützung von Hisbollah im Libanon. Doch Saudi-Arabien destabilisiert durch den Export seines rückständigen Islams weite Teile der muslimischen Welt.

Beiden Seiten muss der Westen entgegentreten, nicht nur dem Iran.