In dieser Ausstellung mit dem seltsamen Titel Spitzmaus Mummy in a Coffin kommt vieles zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört. Nehmen wir beispielsweise "Raum 2", eines von acht Kabinetten, die in das Kunsthistorische Museum in Wien eingebaut wurden, um als Ausstellungsräume zu dienen: Da sind kunstvoll verzierte Flaschen und Vasen aus der römischen Kaiserzeit und aus der chinesischen Qing-Dynastie zu sehen, ägyptische Statuen aus der Ptolemäerzeit und eine bemalte Halslaute aus Java. Dazu ein Schurz aus Peru, der aus den Federn seltener Amazonasvögel besteht, und eine Gruppe von fünf Blaukappentangaren aus der Vogelsammlung des Naturhistorischen Museums. Das Einzige, was diese Ausstellungsstücke inhaltlich verbindet, ist ihre Farbe: Grün.

All dies wunderschön arrangiert und ausgeleuchtet, sodass die ästhetischen Bedürfnisse des Publikums aufs Anregendste befriedigt werden. Man merkt, dass hier Leute am Werk waren, die es gewohnt sind, Räume zu gestalten, Atmosphären zu kreieren und Situationen visuell auf die Spitze zu treiben: der Regisseur Wes Anderson, bekannt durch Filme wie The Grand Budapest Hotel oder zuletzt Isle of Dogs, und seine Partnerin, die Schriftstellerin und Kostümbildnerin Juman Malouf.

Jasper Sharp, der Mann für besondere Projekte am Museum, lud die beiden 2015 ein, eine Ausstellung nach ihrem Gusto zu gestalten, ähnlich wie zuvor bei Projekten des Malers Ed Ruscha und des Keramikers und Autors Edmund de Waal. Diese Gastkuratoren bekommen Zugriff auf die gesamten Bestände des Kunsthistorischen Museums – auf mehr als vier Millionen Objekte, die auf 14 Sammlungen und zahlreiche Depots verteilt sind – und haben Carte blanche, was Auswahl und Präsentation betrifft. Wochenlang bunkerten sich Anderson und Malouf in den Depots ein und förderten dort Sachen zutage, die vielfach nie ausgestellt worden waren und oft erst von Restauratoren in einen präsentablen Zustand versetzt werden mussten.

Kleine Büsten und Medaillons: Fundstück aus dem Depot © KHM-Museumsverband

Was jetzt im Museum zu sehen ist, entspricht dem Prinzip Wunderkammer, wie es in der Spätrenaissance entwickelt wurde: Objekte wurden damals trotz unterschiedlicher Herkunft und Bestimmung gemeinsam präsentiert, gewissermaßen als sensationelle Schauwerte mit zirzensischem Appeal und nicht, wie später in den Museen, nach wissenschaftlichen Kriterien gesammelt und katalogisiert.

Und so sieht man in der Ausstellung Spitzmaus Mummy in a Coffin and Other Treasures – der Titel verdankt sich einem mumifizierten Nagetier aus der ägyptischen Sammlung – auch Hiob, der auf einer goldenen Schildkröte reitet, Mumienporträts aus der frühantoninischen Epoche, Pläne für Schlittenfahrten im Inneren Burghof in Wien, groteske Köpfe, gezeichnet von Lodovico Ottavio Burnacini und so weiter. Ein einziger überbordender Karneval der Exzentrizitäten und der bizarren Schauwerte.

Die schiere Vielfalt und visuelle Attraktivität der gezeigten Gegenstände überwältigt auf den ersten Blick, beim genaueren Hinsehen enthüllt sich jedoch ziemlich schnell die jeweilige Ordnung der Dinge, und die ist meist schlicht: In einem Raum sind ausschließlich Objekte aus Holz ausgestellt, in einem anderen Porträts von Infantinnen und Infanten aus unterschiedlichen Königshäusern, in einem dritten schließlich Musikinstrumente. Man merkt die Absicht und ist leicht verstimmt.

Es ist in den letzten Jahrzehnten, beginnend mit Peter Greenaways 100 Objects to Represent the World, Mode geworden, große Namen aus der Kulturgegenwart als Joker im Museumsbetrieb einzusetzen, um die traditionelle Organisations- und Präsentationslogik wissenschaftlicher Anstalten aufzubrechen. Das garantiert in jedem Fall hohe Quoten im Rahmen einer Ökonomie der Aufmerksamkeit und lässt sich oft auch in Blockbuster ummünzen. Die Museumsleiter erhoffen sich vom wilden Denken der Künstlerkuratoren schockartige Kollisionen, faszinierende Brüche und abgründige Perspektiven, die den Muff von hundert Jahren, der sich bei der Depotware angesammelt hat, mit frischem Wind wegblasen. Wenn aber wie bei Spitzmaus Mummy nur Rares für Bares ohne sonderlichen Erkenntniswert zu sehen ist und Festspiele der Zufälligkeit veranstaltet werden, dann möchte man als Museumsbesucher die Romanfigur Bartleby von Herman Melville zitieren: "I would prefer not to."

Die Ausstellung läuft bis zum 28. April 2019.