Dieser Artikel stammt aus der ZEIT-Doctor-Beilage für Krebspatienten, die in ihren Beruf wieder einsteigen möchten.

Ob die Rückkehr in den Beruf nach einer Krebserkrankung gut gelingt, liegt vor allem am Chef und am Miteinander im Betrieb. Wie weit die Unterstützung gehen kann, hängt allerdings auch von der Betriebsgröße und der Branche ab. Als sehr engagiertes Großunternehmen gilt etwa der badische Software-Konzern SAP: "Die Firma ist besonders kulant und unterstützend gegenüber Mitarbeitern, die Krebs hatten", sagt Jürgen Walther vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg.

Wenn die Betroffenen es möchten, offeriert das Unternehmen ihnen nicht nur technische Unterstützung für eine besonders genaue Krebs-Diagnose. Es hilft ihnen auch unbürokratisch bei der Rückkehr in den Job. Auf Wunsch erhalten sie Hilfe von der firmeneigenen Gesundheitsabteilung, dem Betriebsrat, der Schwerbehindertenvertretung und der Personalabteilung. "Häufig wird etwa die Eingewöhnungsphase vom behandelnden Arzt viel zu knapp bemessen", sagt die Arbeitsmedizinerin Natalie Lotzmann, die bei SAP für das Globale Gesundheitsmanagement zuständig ist. Die SAP-Ärzte sprechen dann mit dem niedergelassenen Kollegen, damit diese Phase verlängert wird, sofern der Betroffene einverstanden ist. "Manchmal müssen wir einen Beschäftigten auch bremsen, weil er zu früh mit zu vielen Stunden zurückkommen will", sagt Lotzmann. Rückkehrer können innerhalb des Konzerns den Arbeitsplatz wechseln – etwa in einen Job mit weniger Dienstreisen – oder langfristig in Teilzeit gehen. Bei medizinischen Langzeitfolgen der Krankheit, wenn zum Beispiel Fatigue auftritt, stehen SAP-Ärzte dem Betroffenen vertraulich bei und erläutern Befunde.

Da eine lebensbedrohliche Erkrankung die Seele sehr belasten und bisherige Gewissheiten infrage stellen kann, gibt es in der hauseigenen Ambulanz zwei Psychologen für eine Erstberatung. Außerdem können Mitarbeiter rund um die Uhr über eine Beratungsfirma mit Therapeuten sprechen. Weil der Austausch mit anderen Betroffenen besonders hilfreich ist, vermittelt die Gesundheitsabteilung Kontakte zu Mitarbeitern, die ebenfalls eine Krebserkrankung durchmachen mussten. "Uns geht es um Nachhaltigkeit", sagt Lotzmann, "wir wollen nicht, dass jemand gleich wieder gesundheitliche Probleme bekommt." Das Engagement für die Gesundheit der Mitarbeiter zahlt sich aus: Der Krankenstand ist bei SAP besonders niedrig.