Am 19. Mai 2018 tötet ein islamistischer Attentäter einen malischen Soldaten in dem Grenzort Boulikessy. Wenig später liegen zwölf Menschen tot auf dem Marktplatz. "Terroristen" seien das gewesen, hieß es in einer Stellungnahme des malischen Verteidigungsministeriums, im Kampf gefallen.

Die Angehörigen der Toten widersprachen. Es sei eine Hinrichtung gewesen, ein grausamer Vergeltungsschlag, ein Massaker an unschuldigen Zivilisten. Verantwortlich dafür soll die "G5-Sahel-Truppe" sein, eine Spezialeinheit, die 2014 gegründet wurde und aus 5000 Soldaten besteht, die von fünf Staaten gestellt werden: Mali, Burkina Faso, Niger, Tschad und Mauretanien – finanziert unter anderem mit Geld der EU. Es geht um 100 Millionen Euro.

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Die Vereinten Nationen, die in Mali eine Friedensmission (Minusma) mit mehr als 13.000 Soldaten unterhalten, entsandten eine Untersuchungskommission. Ende Juni legte sie ihren Bericht vor. Das Ergebnis ist eindeutig: "Elemente eines malischen Bataillons der G5-Sahel-Truppe haben zwölf Zivilisten auf dem Rindermarkt von Boulikessy willkürlich exekutiert."

Diese Nachricht hat in Brüssel für Unruhe gesorgt. Man versteht sich als wichtiger Akteur in der Region und bekämpft mit dem Terrorismus auch eine der Fluchtursachen. Aber: Europäisches Geld für Soldaten, die Zivilisten willkürlich ermorden?

Die 100 Millionen für die Truppe der G5 kommen aus dem Topf der African Peace Facility (APF). Er wurde im Jahr 2004 eingerichtet und ist eines der Hauptinstrumente europäischer Afrikapolitik. 2,7 Milliarden Euro sind seit 2004 geflossen. Gespeist wird die APF aus dem Entwicklungsfonds der EU. Das ist einer der heiklen Punkte. Die G5 ist nämlich eine Kampftruppe.

Die Tatsache, dass die G5 aus dem Entwicklungshilfefonds Geld bekommt, hat schon seinerzeit für beträchtliche Kritik gesorgt. Der grüne Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer sprach von einem "Tabubruch". Die Kommission verteidigte sich mit dem Argument, Entwicklung ohne Sicherheit und Stabilität in der Region sei nicht möglich. Außerdem sei festgelegt, dass das Geld nur für "nicht tödliche Ausrüstung" ausgegeben werden könne.

Gerade das Beispiel Mali zeigt, dass Entwicklung und Sicherheit in der Tat kaum voneinander getrennt werden können. 2012 vertrieben Islamisten die malische Armee aus dem Norden des Landes und spalteten den Landesteil ab. Sie riefen den autonomen Staat "Azawad" aus und errichteten ein islamistisches Steinzeitregime. Erst nach mehreren Monaten intervenierte die französische Armee auf Bitten der malischen Regierung. Die Islamisten wurden geschlagen und vertrieben, doch sie verschwanden nicht. Seither gibt es keinen offenen Krieg in Mali, aber auch keinen Frieden.

Die ganze Region ist weiterhin von Islamisten bedroht. In allen fünf Ländern, aus denen die Soldaten der G5 stammen, sind islamistische Terroristen aktiv. Deshalb wurde die Truppe gebildet. Unter afrikanischem Kommando soll sie stabilisierend wirken – eine Voraussetzung für Entwicklung.