Keiner liebt sie, aber noch wird sie gebraucht: die Braunkohle. Sie ist billig. Aber sie schädigt die Umwelt und bringt Deutschland immer weiter von den selbst gesteckten Klimazielen weg. Ein Ausstieg ist daher bloß noch eine Frage der Zeit. Dass dies nicht sofort passiert, hat auch mit Versorgungssicherheit zu tun. Aber vor allem geht es um Arbeitsplätze.

Momentan sind noch rund 20.000 Menschen in der Braunkohleproduktion beschäftigt. Die Jobs sind lokal stark konzentriert, dort, wo es Kohlevorkommen gibt. Das sind im Wesentlichen drei Reviere: der Niederrhein, das Mitteldeutsche Revier zwischen Halle und Leipzig und die Lausitz. Letztere ist das Sorgenkind.

In der Rangliste der regionalen Wachstumsraten seit der Wiedervereinigung steht Oberspreewald-Lausitz auf dem letzten Platz aller 402 Landkreise. In Cottbus, Görlitz und dem Spree-Neiße-Kreis sieht es nicht viel besser aus. Aktuell hängen dort noch über 8.000 Jobs direkt an der Kohle, weitere kommen in der Verarbeitung hinzu.

Die Bundesregierung und die von ihr eingesetzte Kohlekommission suchen nach Lösungen. Zu groß ist die Furcht, dass die Region sonst zum AfD-Land wird. Aber die Vorschläge, woher neue Arbeitsplätze kommen könnten, sind bislang noch recht handzahm. Der Bund und das Land Brandenburg könnten Fachhochschulen und ein paar Behörden in der Lausitz ansiedeln. Die Bahnanbindung und die Autobahn 13 nach Berlin könnte man ausbauen. So bringt man vielleicht ein paar Start-up-Firmen dazu, ihre Büros aus der Hauptstadt in den Spreewald zu verlagern. Das klappt aber nur, wenn das urbane Personal zum Feierabendbier wieder zurück sein kann.

Reicht das? Genügen ein paar Hundert Stellen in öffentlichen Einrichtungen plus Start-ups für die künftigen Generationen in der Lausitz?

Manche Ökonomen warnen davor, solche Fragen überhaupt zu stellen. Strukturwandel hat es schließlich schon immer gegeben. Also einfach den Markt machen lassen und in der Lausitz das Licht ausschalten? Diese akademische Armsessel-Position ist bequem. Aber sie ist politisch gefährlich. Denn der gesellschaftliche Zusammenhalt wird nicht gestärkt, wenn man eine Kohleregion auf dem Altar des Elitenprojekts Klimaschutz opfert.

Deshalb überlegt man in Berlin und Potsdam, was man noch tun kann. Ein Akteur könnte hierbei eine große Rolle spielen: die deutsche Automobilindustrie. Die droht bei neuen Technologien gerade den Anschluss zu verpassen. Bei Elektro- und Hybridmobilität und der dafür notwendigen Batteriezellenproduktion hält sich die Branche zurück. Ganz anders die Chinesen. In Erfurt will der halbstaatliche CATL-Konzern bis 2022 rund 240 Millionen Euro investieren.

VW-Chef Herbert Diess nannte die Abhängigkeit von asiatischen Akkuzellen "erschreckend". Am liebsten wäre es ihm, wenn Zulieferer das Investitionsrisiko auf sich nehmen würden. Doch Bosch hat schon abgewinkt. Vielleicht braucht die Branche einen kleinen Schubser vom Wirtschaftsminister. Der schmiedet ohnehin an einer europäischen Batterie-Allianz. Auch die Lausitz hat er schon als Standort identifiziert. Solche industriepolitischen "Deals" sind zwar etwas schmuddelig. In der Vergangenheit hat Ostdeutschland damit auch schlechte Erfahrungen gemacht, etwa bei der Produktion von Solarpanels. Aber andere – China, Donald Trump – tun es schließlich auch. Jetzt müssen die Autokonzerne nur noch anbeißen. Mit etwas Glück retten sie durch eine Investition nicht bloß sich selbst, sondern auch die Lausitz.