Letztens erzählte ein sehr kluger und extrem gut aussehender Freund von mir, dass er vor Kurzem in den USA gewesen sei, in Colorado, um genau zu sein, wo Cannabis inzwischen legalisiert wurde. An einem besonders lustigen Abend habe er eines der vielen Präparate geraucht, die man dort kaufen kann. Danach habe er ein mexikanisches Themenrestaurant namens Casa Bonita besucht, vor dem man habe anstehen müssen wie vor einer Achterbahn und in dem während des Essens Piraten, Cowboys und ein Mann in einem Gorilla-Kostüm eine Show ablieferten. Mein kluger und lebensfroher Freund sagte, er habe sich köstlich amüsiert über den ganzen Kitsch, und am Ende des Abends sei er in seinen geliehenen Tesla Model S gestiegen und mit 200 Stundenkilometern über den Highway gebrettert. Das sei noch mal besonders elektrisierend gewesen.

Ich hing wie immer beeindruckt an seinen Lippen – war aber auch etwas irritiert. Sicher, er sei ein großartiger Autofahrer, sagte ich, aber sei es nicht gefährlich, sich high ans Steuer eines so kraftvollen Wagens zu setzen?

Nein, beruhigte mich mein Freund. Er sei nämlich gar nicht high gewesen. Er habe CBD geraucht. Und CBD, so erklärte er, während ich mich mal wieder in seinen schönen tiefbraunen Augen verlor, mache nicht high, sondern nur extrem gechillt, es wirke angstlösend und entzündungshemmend (was besonders wichtig sei, sagte mein Freund, denn oft wisse man ja gar nicht, was man alles für Entzündungen im Körper habe), und es sei überhaupt und generell total gut verträglich. In den USA würden das jetzt alle nehmen.

Ich selbst bin ja überhaupt nicht drogenaffin, aber die ganze Sache klang schon interessant. Das Internet verriet mir: CBD ist einer der Hauptwirkstoffe von Cannabis. Im Gegensatz zu seinem Cousin THC wirkt es nicht psychoaktiv. Nimmt man es, sollte man theoretisch alle positiven Effekte eines Joints verspüren, das Beruhigende, das Schmerzlindernde, aber eben nicht das High. In den USA bieten inzwischen Cafés CBD-Kaffees an, in Hollywood sind Cocktails mit CBD der letzte Schrei. Es gibt den Stoff zum Rauchen, aber auch als Cremes, Eis, Gummibärchen und Massageöl. Angeblich denkt auch Coca-Cola darüber nach, ein CBD-Getränk zu entwickeln.

CBD-Öl ist relativ einfach zu beschaffen. In Deutschland wird es als Nahrungsergänzungsmittel deklariert. Ich ging in eine Apotheke und fragte nach einem Präparat. Die junge Frau an der Kasse kannte das Produktangebot nicht und forschte interessiert in ihrem Computer. Am nächsten Morgen holte ich mir das bestellte CBD-Öl ab und begann den Tag mit der empfohlenen Tagesdosis von sechs Tropfen unter die Zunge.

Wie es ist? Schwer zu sagen. Angeblich wirkt CBD vor allem symptomlindernd, was den Effekt wohl bei jedem etwas anders macht. Ich würde die Wirkung so beschreiben: das Dämpfende eines großen Glas Rotweins, nur ohne das Betrunkensein, hohe psychische und physische Entspanntheit. Kurz: Die meisten Dinge sind einem plötzlich wurscht. Ich nahm das Öl vor einer kleinen Rede, die ich halten musste. Das Herz hat davor wie immer etwas stärker geklopft. Aber die Nervosität, das Angstgefühl, dieses schwarze Loch, das direkt unter dem Zwerchfell sitzt, das war so ziemlich weg.

Wirklich spannend wird es, wenn man seine Umwelt, in diesem Fall meine Kollegen, einweiht. Dann differenzieren sich plötzlich Gruppen aus, die man noch vom Schulhof kennt, als man anfing, mit Dingen zu experimentieren. Die einen nehmen es zur Kenntnis, haben aber selbst kein Bedürfnis danach, andere wollen es eigentlich probieren, haben aber zu viel Angst. Dann gibt es die, die es probieren wollen und überhaupt keine Angst haben (Frage einer Kollegin auf Führungsebene nach einmaliger Einnahme: "Wo kann man das kaufen?") und die, denen es grundsätzlich suspekt ist, wenn Leute sich was einschmeißen. Während der Arbeit mit so vielen unterschiedlichen Haltungen konfrontiert zu werden kann ziemlich stressig sein. Aber da hilft das CBD zum Glück sehr gut.

Der Effekt war so positiv, dass ich erwogen habe, das Öl jeden Tag zu nehmen. Ich spürte, dass ich das noch mal mit meinem extrem klugen und sehr gut aussehenden Freund besprechen muss. Der war dann entsetzt, dass ich so was überhaupt bräuchte. Einen ähnlichen Effekt könne ich auch durch Sport erreichen. Er schwöre auf Kampfsport, sagte er, Brazilian Jiu-Jitsu etwa. Das würden jetzt alle machen. Es verleihe Selbstvertrauen und stärke Geist und Körper. Aber ich solle die Tropfen ruhig weiter nehmen, wenn ich es nötig hätte.

Manchmal ist mein Freund eben ein richtiger Idiot.