Der 1. Januar 2002 bescherte uns mit einem Schlag sauberes Geld – lauter nagelneue Euro-Scheine, hygienisch einwandfrei und mit keinerlei Fremdstoffen kontaminiert. Aber schon eineinhalb Jahre später waren auf 90 Prozent von ihnen Spuren von Kokain zu finden. Das jedenfalls meldete Fritz Sörgel vom Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg, der in seinem Labor 700 Banknoten untersucht hatte. Zuvor hatte der Mann Kokain schon auf den Toiletten des Berliner Reichstags gefunden.

Ähnliche Meldungen liest man seitdem immer wieder, aus vielen Ländern der Erde. Meist liegen die Werte zwischen 90 und 100 Prozent, lediglich in Japan und China werden erheblich niedrigere Zahlen ermittelt. Sind wir ein Volk von Koksern, die ihre Droge durch aufgerollte Geldscheine in die Nase ziehen?

Die hohen Werte sind zunächst ein Beweis dafür, dass die Nachweisgeräte immer sensibler werden. In den meisten Meldungen steht nur, dass Kokain gefunden wurde, aber nicht, wie viel. Und oft sind das nur Mengen im Nanogramm-Bereich, weniger als die Masse eines Sandkorns.

Durch diese mit winzigen Spuren kontaminierten Scheine ist mit ziemlicher Sicherheit niemals Kokain geschnupft worden. Wie kommt das weiße Pulver dann darauf? Das Geld steckt sich meist in der Bank bei anderen Geldscheinen an. Ein einziger zum Schnupfen benutzter Schein kann in den Geldzählmaschinen oder im Automaten Hunderte anderer kontaminieren.

Schaut man auf die tatsächlich gefundenen Kokainmengen, steht Deutschland international recht sauber da. Laut einer Studie der Universität Valencia finden sich auf amerikanischen Geldnoten bis zu 1.300 Mikrogramm Kokain, auf spanischen 900, aber auf deutschen maximal fünf Mikrogramm.

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