Neben Forschung und Lehre setzen Hochschulen vermehrt auf gesellschaftliches Engagement. So entsteht ein neues Arbeitsfeld für Akademiker.

Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, boomt an den Universitäten und Fachhochschulen ein neuer Arbeitsmarkt für Akademiker. Gesucht werden Fachleute für Marketing, Kommunikation und Unternehmensgründungen. Ihr Auftrag: die "Third Mission". Sie ist den Hochschulen neben den beiden traditionellen Aufgaben zugewachsen, der Forschung und der Lehre.

"Hochschulen stehen zunehmend unter dem Zwang, ihren Nutzen für die Region und die Gesellschaft zu zeigen", sagt Peer Pasternack, Direktor des Instituts für Hochschulforschung an der Uni Halle-Wittenberg. Davon hänge ab, wie gut sie finanziert würden und – vor allem bei kleineren Hochschulen – wie attraktiv sie für Studenten seien. "Außerdem muss die Wissenschaft ganz grundsätzlich um Vertrauen in der Bevölkerung werben", sagt Pasternack, "weil sie zwangsläufig oft komplexe Antworten gibt, wo die Leute sich einfache Antworten erhoffen." Die Third Mission umfasst Weiterbildungsangebote, den Wissenstransfer und gesellschaftliches Engagement, wie etwa die Organisation von Kinder- und Senioren-Unis oder die Karriereberatung für Studenten. Früher hätten die Professoren das empört zurückgewiesen, sagt Pasternack, "heute gehört es, trotz einigem Gemurre, zum Standard". Bund und Länder unterstützen mit dem Programm "Innovative Hochschule" solche Entwicklungen mit 550 Millionen Euro.

Der Arbeitsmarkt für Dienstleistungen an den Hochschulen wächst auch deshalb, weil die traditionellen Aufgaben komplexer geworden sind. Aus dem einstigen Pressesprecher, sagt Pasternack, sei vielerorts ein Dezernat für Marketing und Kommunikation mit diversen Mitarbeitern erwachsen, die aktiv das Image der Hochschule pflegten, mit Broschüren, professionellen Internetauftritten und Veranstaltungen. Viele Akademische Auslandsämter haben sich zu International Offices gemausert. "Das ist nicht nur eine Umbenennung", sagt Pasternack. Habe man früher nur die Programme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes verwaltet, so manage man dort heute diverse internationale Kooperationen zwischen Hochschulen, den weltweiten Austausch von Studenten und Wissenschaftlern.

Zunächst hatten die Hochschulen solche Zusatzaufgaben aus Förderprogrammen, etwa aus EU-Mitteln, finanziert. Die Folge waren befristete Stellen mit hoher Fluktuation. Inzwischen steuert man um, weil man mit ständig wechselndem Personal zum Beispiel keinen fruchtbaren Kontakt zu lokalen Unternehmen pflegen kann.

Genaue Statistiken zum Wachstum der Stellen im Feld der Third Mission gibt es nicht. Aber die Zahl der nicht wissenschaftlichen Mitarbeiter an den Hochschulen ist in den vergangenen 20 Jahren um 25 Prozent gestiegen.

Damit entwickelt sich ein Arbeitsmarkt, der für viele Akademiker eine interessante Alternative zur Arbeit in Forschung und Lehre ist. Denn viele Wissenschaftler, die keine ordentliche Professur ergattert haben, hangeln sich von einem befristeten Teilzeitvertrag zum nächsten. Da ist ein unbefristeter Vollzeitvertrag durchaus attraktiv, zumal einem der Kontakt zur Wissenschaft erhalten bleibt.

Die Hochschulen wiederum greifen für Service- und Management-Aufgaben gern auf Akademiker zurück, am liebsten auf solche mit Promotion. "Ein Doktortitel zeigt, dass man nicht milieufremd ist", sagt Pasternack. Und dass man sich über einen langen Zeitraum in ein Thema reingeschraubt habe. "Wer so eine Tiefenbohrung einmal erfolgreich absolviert hat, dem traut man sie auch bei anderen Themen zu."