Alina Oehler (27) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Er ist auffallend häufig vertreten, dieser besondere Typus des pastoralen Mitarbeiters: knallige Funktionskleidung, die eher nach Wanderausflug als nach Beruf aussieht, Sandalen oder Trekking-Schuhe, bunte Tücher. Er sieht schon von Weitem nach einer Kirche aus, die mich nie angezogen hat, und riecht für mich nach Stuhlkreis mit gestalteter Mitte und Impulsen, die immer gleich aufgebaut sind – märchenhafte Geschichte, Hindernis, Held, Ende gut, alles gut. Mich hat diese Gefühlsduselei nie begeistert.

Ich will keine ganze Berufsgruppe pauschal aburteilen. Deshalb bin ich lange davor zurückgeschreckt, dieses Thema hier anzusprechen. Aber ich glaube, dass fehlender Stil für unsere Kirche ein echtes Problem ist.

Dass sich von dieser Ausstrahlung junge, moderne Menschen in den Gemeinden eher selten angezogen fühlen, überrascht nicht. Auch wenn mein Urteil gerade bei der Kleidung mit Sicherheit furchtbar oberflächlich ist, entspricht das doch gerade dem, wie manch Kirchenferne Angebote wahrnehmen und wie sie verächtlich über Kirche sprechen. Mit diesen Fernen meine ich dabei die, die sich in der Arbeitswelt tagtäglich behaupten müssen. Die in keinem beamtenähnlichen Verhältnis mit viel Planungssicherheit gut von der Kirche leben können. Ich will sicher nicht sagen, dass der pastorale Alltag ein Kinderspiel ist, doch da ist schon dieses behagliche Gefühl einer kuschlig-kirchlichen Atmosphäre, das irritierend wirken kann.

Das fällt mir auch auf, wenn ich mich mit ehemaligen Kommilitonen aus dem Theologiestudium austausche. Da ist eine mal weniger, mal mehr ausgeprägte Weltfremdheit spürbar, die zum Beispiel dann zum Tragen kommt, wenn ich von meinen Berufserfahrungen im Journalismus berichte. Wie es ist, wenn man in einer Lokalredaktion mehrere Termine an einem Tag stemmen muss und die Menschen dabei nicht immer nett reagieren – ob das medienverdrossene Protagonisten sind oder der Redakteur, der am Ende den Text in ungeschönt direkten Worten so lange kritisiert, bis er dann weit nach Feierabend endlich besser geworden ist. Und da sind andere, die von ihren Erfahrungen in der Wirtschaft berichten, vom Druck, Umsatz zu bringen, messbare Ergebnisse einzufahren, professionell aufzutreten, auch wenn es einem schlecht geht.

Ich behaupte, solche Erfahrungen sind vielen jungen kirchlichen Mitarbeitern fremd, die direkt vom Religions-Leistungskurs über das Studium in die Gemeinde gegangen sind. In den verschiedenen Ausbildungen ist zwar teilweise ein Betriebspraktikum vorgesehen, doch auch das kann häufig im Schoß von Mutter Kirche absolviert werden. Ich finde das falsch und bin überzeugt: Jeder pastorale Mitarbeiter sollte mindestens ein halbes Jahr in einem weltlichen Unternehmen gearbeitet haben, am besten mit Projektverantwortung. Um wenigstens einmal die katholische Blase zu verlassen. Um selbst zu erfahren, wie wenig die Menschen da draußen noch mit der Kirche anfangen können. Wie irritierend sie den fehlenden Stil und die innerkirchlichen Grabenkämpfe finden, wie sie das Nichtverstehen mit Desinteresse quittieren und sich dabei immer weiter entfernen. Das wäre heilsam – für beide Welten.