Krimi mit Huhn

ab 7 Jahren

Einerseits total hardboiled, keine Frage: Detektiv Jacky Marrone, "mit y, ck und Doppel-r". Andererseits eine Seele von Fuchs. Gerade hat er knallhart sein eigenes Büro eröffnet, mit versenkbarem Schreibtisch und Marmorpapierkorb. Nun wartet er bangend auf den ersten Klienten.

Vielleicht ein umstrittener Mann der Politik? Ein brisanter Fall aus der Hochfinanz? Wäre genau das Richtige für einen Fuchs wie Jacky Marrone. Aber dieses graue Mütterchen, das da jetzt vor ihm steht? Das kann es doch wohl nicht sein!

© dtv junior

Als dann plötzlich ein dickes Geldbündel auf dem Tisch liegt, wie es sich für den klassischen Krimi einer ziemlich Schwarzen Serie gehört, ist Jacky ganz Ohr. Die Sache scheint wirr: irgendwas mit einem Huhn, das sich wohl verflattert hat ... Doch so viel Geld? Für die Wiederbeschaffung eines Huhns? Jacky, als Fuchs ohnehin sehr geflügelaffin, beginnt der Fall zu interessieren. Da stimmt was nicht, da steckt was anderes dahinter!

Und richtig: Schon die erste Spur führt zu einem finsteren Pfandleiher – der gar kein Pfandleiher ist, sondern der Supergangster Goldpfote. Schnell wird die Sache heiß, und Jacky ist mittendrin.

Zeit, die fantastische Detektiv-Technik auszupacken, Zeit für Jackys "Superlauscher", eine "naturgetreue Nachbildung der eigenen Ohren, aber mit 1000-facher Verstärkung", mit deren Hilfe er noch in weitester Ferne jedes Wort mithören kann. Auch Schrumpftropfen kommen zum Einsatz, doch oje, sie bringen ihn in Teufels Küche ...

Eine ziemlich ausgekochte Story ist der Hamburger Autorin und Illustratorin Franziska Biermann da gelungen, mit vielen fantastischen Clous: kein Kinderkrimi im Stile Enid Blytons, sondern ein spannendes tagträumerisches Abenteuer für jüngere Leser. Ein Spiel mit Krimi-, Comic- und Märchenmotiven, das zum Mitraten anregt, ebenso schwungvoll erzählt wie illustriert.
Benedikt Erenz

Franziska Biermann: "Jacky Marrone jagt die Goldpfote"
dtv junior 2018; 116 S., 12,95 €

Boxende Pastete

ab 9 Jahren

© Orell Füssli

Dachs Dan braucht einen Retter. Er wurde in einem kratzigen Sack entführt. Erst in einen Käfig und dann in kurze Hosen gesteckt, die er überhaupt nicht mag. Bald soll er gegen Hund "Reisser" boxen, danach zu Pastete werden. Da kann nur ein wahrer Freund noch helfen. Bloß gibt es den nicht. Die schottische Autorin A. L. Kennedy lässt aber zum Glück Onkel Stan ins Leben des Dachses tanzen – mit einer Art Rettungsplan. Daraus entwickelt sich eine absurde, wortgewandte und lustig illustrierte Abenteuergeschichte, in der depressive Lamas, Staubwolkentänze und Tiertoast überraschend viel Sinn ergeben.
Anne Backhaus

A. L. Kennedy/ Gemma Correll (Ill.): "Onkel Stan und Dan und das fast ganz ungeplante Abenteuer"
Deutsch von I. Herzke; Orell Füssli 2018; 192 S., 14,95 €

Kopfkino im Bett

ab 7 Jahren

© Klett Kinderwuch

Das Licht ist aus, die Augen sind zu – und die Gedanken überschlagen sich. So sehr, dass an Einschlafen überhaupt nicht mehr zu denken ist. Die Autorin und Illustratorin Moni Port hat aus einer nächtlichen Assoziationskette ein Denk- und Bilderbuch gemacht. Die Gedankenreise beginnt mit einem Glas Wasser. Das führt auf logisch unlogische Weise über die Weltmeere zu den Walen und bald auch zu Punkten auf Marienkäfern, Vermutungen zum Glück und Käsebrot mit Tomaten. Jede einzelne Überlegung hat Port auf einer Doppelseite anders gestaltet, mal gezeichnet, mal mit einem Foto versehen. Am Ende gibt es noch ein Glas Wasser. Dann ist endlich Nachtruhe, sogar im Kopf.
Anne Backhaus

Moni Port: "Das schlaflose Buch"
Klett Kinderbuch 2018; 112 S., 14,– €

Gemeinsam bunt

ab 4 Jahren

© Aladin

Schaut genau hin – auf diesen Seiten und im Leben! Dazu fordern die wimmeligen Illustrationen des Bilderbuchs Mein Weg mit Vanessa ohne Worte auf. Ein Mädchen kommt neu in die Klasse, die Mitschüler beachten sie nicht, beim Basketball sitzt sie am Rand, auf dem Heimweg wird sie gehänselt. Ein anderes Mädchen sieht die Tränen der Neuen und sorgt dafür, dass die Welt am nächsten Tag ganz anders ist: Farben statt Grautöne, Gemeinsamkeit statt Einsamkeit. Das französische Künstlerduo Kerascoët erzählt mit Gefühl von Mitgefühl; mit kleinen Persönlichkeiten, denen man ihre Emotionen an den Nasenspitzen und Punkteaugen ansieht. 
Johanna Schoener

Kerascoët: "Mein Weg mit Vanessa"   
Aladin 2018;  40 S., 14,95 €

Diebische Freunde

ab 5 Jahren

© Carlsen

Woran könnte es jungen Männern mit Gürteltasche, eigener Bude, Superman-Plakat und genügend Kamillentee noch fehlen? In Karl & Knäcke lernen räubern wollen die zwei selbst ernannten "wildesten Räuber der ganzen Stadt" jedenfalls endlich etwas stehlen. Also rein in die Cowboystiefel und aufgebrochen die fremden Wohnungen! Aber dort sind Karl und Knäcke so abgelenkt von Weltraumcomics, Bombardierkäfer-Sammlung und ihrem unglaublichen Hunger, dass sie ganz vergessen, die Wertsachen einzustecken. Was ihnen fehlt, das fällt ihnen am Ende dann aber doch auf: ein Beruf, der wirklich zu ihnen passt.
Anne Backhaus

Kirsten Reinhardt/Marie Geißler (Ill.): "Karl & Knäcke lernen räubern"
Carlsen  2018; 32 S., 12,– €