Als sich die Flügeltüren des prachtvollen Saals endlich öffnen, springen 350 Journalisten von ihren Plätzen auf. Viele halten ihre Smartphones in die Höhe, wollen den Moment festhalten. Wie auf einem Popkonzert. Nur steht vorne kein Sänger, sondern ein kleiner, zerbrechlich wirkender Herr: der Papst.

Vor einigen Tagen war ich bei einer Privataudienz bei Papst Franziskus – mit vielen anderen Auszubildenden und Absolventen des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp). Die katholische Journalistenschule feierte ihr 50-jähriges Bestehen in Rom. Zum Jubiläum hatte Reinhard Kardinal Marx für das ifp eine Privataudienz beim Papst angefragt. Und eine Zusage erhalten.

Als ich am Freitagmorgen auf dem Petersplatz ankomme, weiß ich nicht, was mich erwartet. Ich weiß nur: Ich habe viele Fragen an den Papst zu dieser Zeit, in der die Kirche von Missbrauchsskandalen erschüttert ist. Viele Fragen an einen Papst, der als Reformpapst gilt und dann doch mit haarsträubenden Aussagen zu Homosexualität und Abtreibungen die Hoffnungen der liberalen Katholiken zerschmettert. Aber stellen kann ich sie hier nicht, das weiß ich. Fragen sind nicht vorgesehen.

Zu Beginn der Audienz, als die meisten ihre Smartphones wieder weggesteckt haben, hört der Papst erst einmal zu. Der journalistische Direktor unseres Instituts sagt in seinem Grußwort: "Unsere Gesellschaft braucht Wahrheit, genauso wie die Kirche." Franziskus verzieht keine Miene, dann wendet er sich selbst an uns: "Danke, dass Sie auch über die schönen Dinge berichten, die vielleicht weniger zur Schlagzeile führen", liest er leise auf Italienisch vom Blatt ab. Und er bedankt sich, dass wir "Unrecht nennen, was Unrecht ist". Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses, sitzt stumm daneben.

Keine fünf Minuten spricht der Papst. Für ihn ist es an diesem Tag, um kurz nach zwölf, bereits die vierte Privataudienz – er wirkt, als sei er nicht gut drauf. Doch dann lässt er verkünden: Heute gibt’s Handschläge für alle! Überraschung. Große Freude bei den Journalisten. Viel Zeit ist allerdings nicht, man soll bitte auf Kniefälle verzichten, sagt ein Sprecher. "Das dauert schlicht zu lange."

Vor dem Papst bildet sich eine lange Schlange. Als ich dann schließlich vor ihm stehe, hat er schon etwa 200 Hände geschüttelt. Er lächelt mich an, sehr herzlich, und ich kriege nicht einmal ein "Buongiorno" raus – obwohl ich doch eigentlich so viele Fragen habe. Zwei, vielleicht drei Sekunden dauert es, dann mache ich Platz für den nächsten. Ein Vatikan-Fotograf hält den Moment fest, die Fotos kann man sich im Anschluss kaufen. Später werden sie von uns kritischen Journalisten fleißig auf Facebook und Twitter geteilt.

Es war ein harmonischer Besuch, und klar: Auch für mich war es etwas Besonderes, den Papst zu treffen. Und doch bleibt da dieses merkwürdige Gefühl, eine Chance verpasst zu haben.

Aber eines weiß ich jetzt, immerhin: Der Papst hat keinen festen Händedruck.