Im deutschen Fernsehen taucht wieder ein U-Boot der Wehrmacht auf: Ab Freitag zeigt Sky die achtteilige, 25 Millionen Euro teure Serie Das Boot. Als Vorbild dient Wolfgang Petersens Kriegsfilm gleichen Namens, der in den Achtzigern zu einem deutschen Exportschlager wurde. Vier Folgen durften Journalisten vorab sehen: Sie erzählen vom Leben und Sterben an Bord eines deutschen U-Boots, das 1942 im Atlantik auf Jagd geht. Die Figuren sind frei erfunden, die Umstände aber sollen die historischen des Zweiten Weltkriegs sein.

Befremdlich allerdings: Das politische, das moralische Zentrum dieser Serie nimmt eine Sequenz ein, die dem Zuschauer am Ende der vierten Folge als Enthüllung präsentiert wird. Wie damals Prochnow, Semmelrogge, Grönemeyer und die anderen nach entbehrungsreicher Feindfahrt den Speisesaal eines Schiffes betraten, wo sie von dekadenten Champagner-Nazis in Zivil begrüßt wurden, so sehen wir diesmal die tapferen deutschen Offiziere, gehüllt in ihre schwarzen Ölzeug-Mäntel, im Speisesaal eines amerikanischen Schiffes.

Sie wollen einen Gefangenen austauschen, treffen aber auf einen Amerikaner, der im Zwielicht auf sie lauert. Offenbart wird nun, wie dieser geheime Strippenzieher mit dem Kauf von Reichsanleihen die deutsche Flotte finanziert: "Meine Familie hat Deutschland dabei geholfen, sich bis an die Zähne zu bewaffnen." Für jeden Dollar, den man investiert habe, zahle "Adolf" ihm nun 50 zurück. "Nicht die Alliierten, nicht die Achsenmächte werden den Krieg gewinnen. Sondern er", setzt einer nach. "Fürs Nichtstun." Krieg sei ein schmutziges Geschäft, und die ehrlichen deutschen Soldaten würden "übers Ohr gehauen".

Angesichts dieser vorgeblichen Enthüllung, in die Mitte der Erzählung montiert: Was könnte da in den kommenden Folgen noch passieren, damit das Geschichtsbild der Serie nicht geprägt sein wird von revisionistischen Grübeleien! Waren wir Deutschen nicht viel unschuldiger, als uns immer gesagt wurde? Waren wir nicht Opfer, saßen nicht die wahren Profiteure, die wahren Täter ganz woanders? Auf Nachfrage erklären die Macher: Das Boot sei eine international produzierte Serie, die versuche, "den Zweiten Weltkrieg auf Basis unterschiedlicher Handlungsstränge zu beleuchten". Die fiktionale Figur des US-Investors sei "dabei nur ein Aspekt unter mehreren in einer vielschichtigen Geschichte". Es gehe darum, die "Sinnlosigkeit von Kriegen darzustellen".

1985 warfen Kritiker wie der ZEIT-Feuilletonchef Fritz J. Raddatz dem Film Das Boot vor, die Sinnlosigkeit zu zeigen, aber die Frage nach der Schuld auszulassen. Heute stellt die neue Serie diese Frage – aber legt eine Antwort nahe, die man ihr zum Vorwurf machen muss: Schuld an diesem Krieg, so raunt es, hatten doch nicht nur wir. Schaut nicht auf uns, flüstert es, schaut lieber auf die mächtigen Profiteure im Zwielicht!

"Das Boot" läuft ab 23. November immer freitags um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky 1 HD und auf Abruf. Alle acht Folgen sind auf Abruf zudem über Sky Ticket, Sky Go und on Demand zu sehen.