"Ein ehrliches und wichtiges Buch", attestiert Stephen King auf dem Klappentext, "Pflichtlektüre". Dabei wäre eine Warnung vor so viel Ehrlichkeit wohl eher angebracht. Leslie Jamisons Läuterungs-Memoiren Die Klarheit. Alkohol, Rausch und die Geschichten der Genesung versetzen den Leser durch schiere Bekenntniswut in einen Zustand, der vielleicht jenem Kater ähnelt, von dem die Autorin auf bestürzend vielen der über 600 Seiten einfach immer wieder von Neuem anfängt. Stets weicht der Rausch des Abends dem Elend des nächsten Morgens, wenn Jamison vor dem Spiegel steht, "aufgedunsen, tumb glotzend, mit glasigen Augen" und mit einem "ausgetrockneten, sauren Gefühl im Mund". Kontrollverlust, Filmriss und die Scham darüber: "Mein betrunkenes Ich war wie eine peinliche Cousine, für die ich die Verantwortung trug."