N26, ist das nicht die Bank für Geldwäscher? Die mit den Sicherheitslücken? Wenn ich Bekannten und Kollegen in letzter Zeit von meinem neuen Bankkonto vorschwärmen wollte, begegnete man meiner Begeisterung mit Skepsis. Eine Bank ganz ohne Filialen und dann auch noch mit Sicherheitslücken, es stimmt ja, da ist Skepsis geboten.

Die Wirtschaftswoche hatte im Oktober herausgefunden, dass sich bei der Digitalbank N26 mit einfachsten Mitteln (eigenes Foto auf fremden Personalausweis kleben, einscannen, ausdrucken, fertig) unter falschem Namen ein Konto eröffnen lässt. Die Finanzaufsicht Bafin untersucht die Vorwürfe, mit N26-Konten könne besonders leicht Geldwäsche betrieben werden. Die Bank, die ich gerade eben zu meiner Lieblingsbank erkoren hatte, gilt nun also auch als Lieblingsbank von Kleinkriminellen und Terroristen. Wie kann das sein? Kann ich einer Bank trotzdem vertrauen, auch wenn sie es mit der Sicherheit erwiesenermaßen nicht so genau nimmt?

"Ich klicke immer wieder auf meinen Ausgabenverlauf, wie eine Verliebte immer wieder den Verlauf des Chats mit ihrem Geliebten öffnet."
Luisa Jacobs, Redakteurin

Als ich zum ersten Mal von N26 hörte, war von Geldwäsche noch keine Rede. Schon 2013 gegründet, wirbt N26 erst seit einigen Monaten mit Sätzen wie "Die erste Bank, die du lieben wirst" in deutschen Großstädten auf Plakaten in U-Bahnen und Bahnhöfen. Liebe ist ein starkes Wort. Ich würde nicht sagen, dass ich N26 liebe. Aber vielleicht bin ich, seit ich mein Konto vor etwa drei Monaten eröffnet habe, ein kleines bisschen verliebt. Sosehr man eben in eine Bank verliebt sein kann. Jedenfalls denke ich öfter an dieses neue Konto, als es normal ist – und zwar nicht in Sorge um den Kontostand, sondern mit Zuneigung. Ich klicke immer wieder auf meinen Ausgabenverlauf, wie eine Verliebte immer wieder den Verlauf des Chats mit ihrem Geliebten öffnet.

Schwarze Zahlen schreibt N26 zwar noch nicht, dafür hat die Bank gerade erst eine Rekordfinanzierung von 160 Millionen Euro mobilisiert, so viel wie kein anderes deutsches Fintech-Unternehmen. Digitalbank heißt: Filialen gibt es nicht, alles, wofür man früher zum Automaten oder in die Bank musste, passiert in der App. Seinen Hauptsitz hat das Start-up in Berlin, nicht wie herkömmliche Banken in Frankfurt. Über eine Million Kunden hat N26 mittlerweile in Europa. Mehr als die Hälfte von ihnen ist jünger als 35 Jahre, so wie ich. Eine Klientel, die sonst schwer zu begeistern ist für Bankprodukte. N26 behauptet, die Bedürfnisse einer jungen, digitalen Zielgruppe zwischen 18 und 35 zu kennen und radikal in den Mittelpunkt zu stellen. Und es scheint wirklich, als habe N26 etwas über junge Leute verstanden, was vielen anderen Banken schwerfällt, umzusetzen: Bankgeschäfte dürfen nicht nerven, sie müssen schnell gehen. Aus dem Englischen stammt der Begriff Convenience, am ehesten zu übersetzen mit Verbraucherfreundlichkeit. Man könnte es aber auch so erklären: Wenn etwas "in wenigen Klicks" geht, dann machen wir, die Digital Natives, fast alles – Flüge buchen, Datenverordnungen als gelesen markieren, Abos abschließen oder eben Konten eröffnen.

Die Bank, die die Kunden duzt

Und das mit dem Kontoeröffnen geht wirklich schnell. In weniger als acht Minuten. Damit wirbt die Bank. Und es stimmt. Die Registrierung kostet mich nur wenige Klicks. Browser öffnen: www.n26.de, Girokonto eröffnen. Klick. Dann geht es auf Englisch weiter. "Start registration." Klick. "What’s your name?", "When were you born, Luisa? So that we will never forget your birthday." Ab jetzt spricht mich N26 nur noch persönlich an. Nicht mal zwei Minuten später: "Let’s set up your account details." Ich kann mir eine PIN aussuchen. Dann: "Now for the serious legal stuff." N26 verbindet mich mit einem Callcenter-Mitarbeiter, der meinen Personalausweis scannt und mir über Webcam in die Augen schaut. Das Fälschen von Personalausweisen funktioniert im Übrigen nur in Ländern, in denen ein Selfie-Check, also das Abfotografieren des Persos, ausreicht: Den Versuch machte die Wirtschaftswoche "irgendwo in Europa", genutzt wird das Selfie-Verfahren von N26 zum Beispiel in Portugal. In Deutschland ist das Video-Ident-Verfahren vorgeschrieben: Per Videochat überprüft ein Bankmitarbeiter so alle Sicherheitsmerkmale wie Hologramme. Den Downloadlink für die App bekomme ich per SMS aufs Handy geschickt. Die Karte wird mir ein paar Tage später zugeschickt. Easy. Eigentlich könnte ich direkt loslegen.

Doch bevor ich mein Erspartes vom Sparkassenkonto auf das neue von N26 überweise, rufe ich den IT-Sicherheitsexperten Vincent Haupert an. Denn auch schon vor dem Skandal um die mögliche Geldwäsche mit N26-Konten gab es Kritik wegen Lücken im Sicherheitssystem der Bank. Haupert ist der Mann, der sie Ende 2017 entdeckt und auf dem Hackerkongress 33C3 in Hamburg öffentlich gemacht hat. Ihm ist es gelungen, Überweisungen zu manipulieren, ganze Accounts zu übernehmen und damit alle möglichen Transaktionen auszuführen. Schadensfälle wurden damals keine bekannt, und die Lücken hat N26 behoben.

Haupert ist, als ich ihn frage, wie sicher mein Geld bei N26 ist, trotzdem vorsichtig. "Wer solche einfachen Fehler macht, der hat vermutlich auch strukturelle Probleme. Security war offensichtlich keine Priorität", sagt der Experte. N26 sei in großem Maß von Investoren abhängig. Und Investoren könne man nicht mit besonders sicheren Produkten überzeugen.