Amazon kennt fast jeder. Amazon ist ein Weltkonzern mit Wurzeln in Seattle, dessen beständige Innovationen den Konsumalltag weltweit verändert haben. Amazon verkauft seit 1995 Waren im Internet.

Amazone dagegen kennt fast niemand. Amazone ist ein familiengeführtes Unternehmen mit Wurzeln in Hasbergen bei Osnabrück, dessen beständige Innovationen den Alltag von Landwirten weltweit verändert haben. Amazone baut seit 1883 Landmaschinen, heute vor allem Sämaschinen, Pflanzenschutzspritzen und Düngerstreuer.

Wenn Amazon ein Unternehmen kauft, versuchen unzählige Experten, das Signal zu interpretieren. Wohin entwickelt sich die Konsumwelt? Wenn Amazone ein Unternehmen kauft, werden nur ein paar Spezialisten wach, weil dies ein Zeichen für die Entwicklung der Agrarszene ist.

So wird Amazone am 1. Januar 2019 die fränkische Maschinenfabrik Schmotzer übernehmen, die mechanische Unkrauthacken produziert. Statt nur auf die Chemie zu setzen, arbeitet Amazone daran, die Agrartechnik mit alten und neuen Methoden nachhaltiger zu machen.

Das ist tatsächlich ein Signal. Es zeigt, dass einzelne Landwirte wie Großkonzerne nach neuen Lösungen suchen. Gefragt und erforscht wird, was Klima und Umwelt entlastet, was Tiere schont, was Lebensmittel gesünder macht, ihre Herstellung nachhaltiger.

Nur der größte Landwirtschaftstreiber von allen, die Brüsseler Agrarpolitik, beharrt auf Strategien von gestern – und vergibt dabei eine Chance, die agrarische Umweltinnovationsbewegung auch politisch voranzutreiben.

2020 steht eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU an. Ein gewaltiger Brocken: 365 Milliarden Euro für die Agrarpolitik bilden mit fast 40 Prozent des EU-Budgets noch immer den größten Haushaltsposten. Drei Viertel des Geldes werden schlicht auf die Ackerflächen Europas verteilt: mehr Hektar, mehr Subventionen. Die anstehende Reform könnte das ändern und mit dem Geld Anreize schaffen: für den Schutz von Klima, Boden, Artenvielfalt oder Trinkwasser.

Doch nun signalisiert der Europäische Rat, dass sich an den umstrittenen Direktzahlungen nichts ändern soll. Im Gegenteil: EU-Staaten arbeiten daran, die völlig ungenügenden Öko-Auflagen weiter zu verwässern. Und die Bundesregierung schaut tatenlos zu.

Zu groß scheint der Einfluss einer Landwirtschaftslobby, die den Besitzstand wahrt und den Wandel fürchtet. Der Deutsche Bauernverband warnt gebetsmühlenartig vor einem grassierenden Höfesterben, sollten die Landwirte das Geld aus Brüssel nur noch gegen Auflagen erhalten. Statt den notwendigen Übergang sozial zu gestalten, setzt der Verband noch immer auf Wachstum und Weltmarkt.

Dabei könnten ökologische Innovation und ökologische Politik nicht nur das Klima oder die Tiere schützen helfen. Auf Dauer werden im zunehmenden Konflikt zwischen Agrarmarkt und Umwelt nur nachhaltige Lösungen die Arbeitsplätze auf dem Land sichern. Mehr noch: Sie könnten die Exportgüter der Zukunft sein.