Eine Verkettung glücklicher Zufälle führte vor Jahren einmal dazu, dass ich ein Upgrade in die erste Klasse bekam. Auf einem Flug von Frankfurt nach New York, unmittelbar vor dem Boarding. Entsprechend verdattert saß ich kurz darauf in einer Art Eames-Chair (Sitz 1A) und wurde von einem Team mütterlicher Flugbegleiterinnen dauerumsorgt. Heißes Frotteetuch? Nüsschen? Pyjama für später? Vor allem aber: einen Drink? Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen feierte die amerikanische Airline damals eine "Russische Woche" mit Kaviarhäppchen und Spirituosen, und weil sich der Abflug immer wieder verzögerte (Frankfurt!), hatte ich sämtliche Sorten Wodka durchprobiert, bevor wir überhaupt in der Luft waren. Das Nächste, was ich von meinem ersten Erste-Klasse-Flug mitbekam, war die Landung in New York.

Soll man im Flugzeug Alkohol trinken? Mediziner raten da ja eher ab. Fliegen sei für den Körper anstrengend genug, sagen sie, da solle man ihm nicht auch noch Alkohol zumuten. Weil der Luftdruck in der Kabine etwa dem in einer Höhe von gut 2000 Metern entspricht, nimmt die Lunge etwas weniger Sauerstoff auf; deshalb spürt man den Alkohol stärker. Auch weil man meistens zu wenig Wasser trinkt. Etliche Passagiere nehmen im Flugzeug Schlaftabletten oder Mittel gegen Flugangst. Kommt da Alkohol hinzu, kann das zu Problemen führen. Also: lieber nicht.

Nun halten sich nicht alle an solche Ratschläge, was jeder bestätigen kann, der je zusammen mit den Teilnehmern dreier Junggesellenabschiede in "Bierkönig"-T-Shirts von Düsseldorf nach Mallorca fliegen musste. Manche Leute trinken an Bord auch zu viel, weil sie euphorisiert sind. Oder gelangweilt. Dass Mietwagenfirmen am Airport die Herausgabe des Fahrzeugs verweigern, weil den Kunden eine Wolke aus Alkoholausdünstungen umgibt, kommt jedenfalls öfter vor. Nicht daran gedacht, völlig vergessen, war doch schon gleich nach dem Start – solche Ausreden kennen sie an den Rental-Car-Abholschaltern alle.

Noch unangenehmer kann es werden, wenn man bei der Einreise am Zielflughafen alkoholisiert auffällt. In Dubai musste eine britische Passagierin neulich drei Tage ins Gefängnis, weil sie im Flugzeug ein Glas Wein getrunken hatte – und in ein Land wollte, in dem Alkohol offiziell verboten ist. Auch anderswo sollte man es vermeiden, betrunken auf den Einwanderungsbeamten zuzuwanken. Der kann die Einreise wegen Trunkenheit nämlich ablehnen.

Ich bin nach meinem Erste-Klasse-Flug damals offenbar nicht aufgefallen. Anschließend habe ich mich einen endlos langen Sommertag mit einem Monsterkater durch Manhattan geschleppt. Nie wieder, habe ich mir gesagt, nie wieder! Und auf dem Rückflug nur Wasser getrunken. Ganz hinten im Flugzeug, in der Holzklasse, wie immer.