Eine neue Generation von jungen Leuten strömt in Hochschulen, Betriebe und in die betriebliche Ausbildung. Wie alle Generationen ist sie geprägt durch historische Ereignisse. Sie folgt auf die von einer ökonomischen Schwächeperiode verunsicherte Generation X (geboren 1970 bis 1985) und die durch Krisen nach der Jahrtausendwende "sozial traumatisierte", opportunistische und egotaktische Generation Y (1985 bis 2000).

Die Angehörigen der jüngsten Generation wurden nach der Jahrtausendwende geboren, sie sind die "Post-Millennials". Als vorläufige Bezeichnung für diese Generation hat sich der Name Generation Z eingebürgert. Die bisherigen Bezeichnungen von Generationen sind bildhafte Metaphern mit einem symbolischen Wert. Das X ist der Ausdruck von Rätselhaftigkeit und Unsicherheit, das "Y" steht für das Englische why, "warum", und drückt die fragende und sondierende Haltung aus, beschreibt also einen auffälligen Wesenszug dieser Generation. Das Z ist bisher nur ein Arbeitstitel, ein Buchstabe ohne symbolische Bedeutung.

Der Soziologe Martin Schröder hat sich in der vorigen ZEIT in den Chor der Kritiker des Generationenkonzepts eingereiht und die abenteuerliche These aufgestellt, es gebe gar keine Unterschiede zwischen Generationen. Er kommt auf der Basis von sage und schreibe sieben einzelnen Einstellungen aus einer bevölkerungsweiten Längsschnittstudie zu dem Schluss, über die Zeit seien die Jungen und die Alten einander gleich geblieben. Das mag stimmen, berücksichtigt aber nicht, dass jede junge Generation durch ihre historisch einmaligen Lebensumstände geprägt wird und sich daraus starke Impulse für gesellschaftliche Veränderungen ergeben.

Da gehen die sorgfältig angelegten Kinder- und Jugendstudien, darunter die World Vision Kinderstudien, die Shell Jugendstudien, die Sinus Milieustudien und die JIM-Medienstudien, schon erheblich genauer vor. Sie nehmen umfangreiche repräsentative Befragungen vor und ergänzen statistische Befunde mit biografischen Porträts. Sie ermöglichen erste vorsichtige Antworten auf die wichtigen Fragen: Welche Spuren hinterlässt die digitale Welt in der Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen? Wie hoch ist der Leistungsdruck? Wie reagieren sie auf die ökologischen und politischen Krisen der Gegenwart und die soziale Spaltung der Gesellschaft? Wie werden sie Gesellschaft und die Arbeitswelt beeinflussen?

Von der Antwort auf diese Fragen hängt viel ab. Die Generation Z stellt nur ungefähr 15 Prozent der deutschen Bevölkerung, etwa zwölf Millionen Menschen. Die Generation ist zahlenmäßig nicht stark. Aber ihr Einfluss wird ungeheuer groß sein, weil die Generation der Babyboomer in den nächsten Jahren aus dem Berufsleben ausscheidet und die Hälfte aller Arbeitsplätze frei macht.

Versuchen wir eine Antwort. Welche Lebensbedingungen finden die jungen Leute vor, und wie gehen sie damit um?

1. Das Smartphone als Körperteil

Die nach dem Jahr 2000 Geborenen sind Digital Natives, die mit Smartphone und Computer groß werden und diese als Bestandteil ihres Körpers empfinden. Die Angehörigen der Generation Z sind digital durchwirkte Persönlichkeiten.

Aus den vorliegenden Studien lässt sich ablesen, dass rund 60 Prozent der "Zetler", überwiegend jene mit guter bis sehr guter Bildung, souverän und virtuos mit digitalen Geräten und Angeboten umgehen, intuitiv und unbefangen. Sie beherrschen die mobile Kommunikation, nutzen soziale Medien zu ihrem Vorteil, sind erfindungsreich und kreativ. Sie pflegen Kontakte auf virtueller und analoger Ebene und behalten trotzdem die soziale Bodenhaftung. Sie können sich sowohl in Online-Shops sicher bewegen als auch mit aggressiver Werbung umgehen. In die Begeisterung für alles Digitale mischen sich bei ihnen eine kritische Distanz und die Sorge vor persönlicher Ausbeutung.

Neben diesen souveränen Nutzern gibt es 20 Prozent, die nicht zu kompetenter Nutzung befähigt sind, aber am Ende doch mehr schlecht als recht mit den Verlockungen des Internets umgehen. Und es gibt eine weitere Gruppe von noch einmal etwa 20 Prozent aus passiven, nicht souveränen Nutzern von Medien und Netzwerken. Für sie ist das Suchtpotenzial der kommerziell aufgeladenen Anwendungen mit ihren ständig neuen Anreizen zu groß. Zwei bis drei Prozent dürften krankhaft computersüchtig sein.

Was bedeutet das für die betriebliche und die universitäre Ausbildung, für Unternehmen? Sie sollten von der angstfreien Umgangsweise der jungen Generation mit allem Digitalen profitieren, sie in Umstellungen einbeziehen. Der unbefangene und flexible Umgang mit der digitalen Welt ist ein wertvolles Kapital. Die Jungen können die älteren Generationen mit ihrer Offenheit und Neugier anstecken.

Nicht zu übersehen sind allerdings die Schwächen der oben erwähnten Minderheit von 40 Prozent. Diese jungen Leute haben eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Kontaktfähigkeit. Viele sind schnell abgelenkt und durch virtuelle Umgangsformen nicht mehr gewohnt, sich in realen sozialen Situationen angemessen zu verhalten, Höflichkeitsregeln einzuhalten und dem Gegenüber ins Auge zu sehen. Gezieltes Training durch Ausbilder und Dozenten, aber auch durch ältere Kollegen ist hier gefragt. Die Voraussetzungen dafür wären einfacher, wenn die Schulen ihren Part besser spielen würden.

2. Wer nichts weiß, wird nichts

Die Generation Z findet hervorragende Perspektiven in Ausbildung und Beruf vor. Die Folgen der Wirtschaftskrise sind nicht mehr zu spüren, die jungen Leute müssen nicht als Bittsteller bei Firmen und Behörden auftreten. Die demografische Entwicklung spielt ihnen in die Hände. Die gut ausgebildeten 60 Prozent der Souveränen haben die freie Wahl. Die Folge ist ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, das Kreativität und Innovation freisetzen kann, aber Gefahr läuft, in Überheblichkeit und Arroganz abzugleiten. Weil immer mehr Angehörige der Generation Z Abitur machen, studieren sie auch immer häufiger.