Junge "Männerhorden" seien das Gefährlichste, was die menschliche Evolution hervorgebracht habe, "testosterongesteuert" seien sie, sagte der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann neulich. Ein Anfall von Radikalfeminismus? Nein, Kretschmann meinte muslimische Männer, und damit gibt seine Aussage die Annahme wieder, dass muslimische Männer ein problematisches Frauenbild haben.

Aber wie steht es um das Frauenbild des deutschen Mannes?

Die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat diese Woche aktuelle Zahlen vorgestellt, die das Bundeskriminalamt zur Partnerschaftsgewalt erhebt. Es handelt sich um eine spezifische Form der Gewalt, sie ereignet sich zu Hause, im Privaten, und im Gegensatz zur Gewalt auf offener Straße wird sie oft übersehen.

Doch sind die Zahlen schockierend. Häufiger als jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner getötet. Im vergangenen Jahr wurden 114.000 Frauen von ihrem Partner misshandelt. Dazu zählen auch Drohungen und Stalking. Gerade einfache Körperverletzung wird selten angezeigt, weshalb das BKA von einer hohen Dunkelziffer ausgeht.

In diesem Land sterben Frauen, weil sie Frauen sind

Man kann an dieser Stelle berechtigterweise darauf verweisen, dass der Täteranteil unter Ausländern (genauer: Türken, Polen, Syrern, Rumänen) im Vergleich zu Deutschen leicht erhöht ist. Vor allem muss man aber über die große Zahl von Todesopfern erschüttert sein und über die simple Wahrheit: In diesem Land sterben Frauen, weil sie Frauen sind.

Dabei muss man dem nicht tatenlos zusehen. Es ist kein Schicksal der Menschheit oder irgendwie normal, dass Männer manchmal ihre Partnerin töten. Bringen Ausländer eine Frau um, empört sich zu Recht die Öffentlichkeit. Das strukturelle Problem tritt für alle deutlich hervor: Hier glaubt ein Mann, mit seiner Frau machen zu können, was er will. Ist der Täter aber deutsch, wird die Tat als privates Problem der Frau verstanden. Die Rede ist dann gern von einer Beziehungstat. Oder sogar von einer "ordinären" Beziehungstat, wie die FAZ sich neulich ausdrückte. Auch Familiendrama ist das falsche Wort. Dahinter verschwindet alles, was von Bedeutung ist: Weder wird klar, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt, noch benennt der Begriff, dass das Opfer eine Frau und der Täter ein Mann ist, was aber in mehr als 80 Prozent der Fälle den Tatsachen entspricht.