Frauen tragen ihr Handy häufig in der Gesäßtasche, Männer in der vorderen Hosentasche. Damit befindet es sich in unmittelbarer Nähe zu jenen Körperteilen, die viele Männer für ihre wertvollsten halten. Kann das Gerät die Spermien schädigen?

Mutmaßungen zur Gefährlichkeit der Handystrahlen gibt es viele. In der ZEIT haben wir zur Gelassenheit geraten, weil die Effekte unplausibel waren. Doch man kann Zeugungswilligen dazu raten, etwas Abstand zwischen Handy und Hoden zu halten.

Der Frage kann man sich mit zwei Arten von Versuchen nähern. Erstens "in vivo": Dabei werden Männer in zwei Gruppen eingeteilt, in Viel- und Wenigtelefonierer, und dann untersucht man die Qualität der Spermien. Bei "In vitro"-Versuchen hingegen wird eine Samenprobe auf zwei Reagenzgläser verteilt, von denen eines mehrere Stunden lang Handystrahlung ausgesetzt wird.

Im Jahr 2014 trugen Forscher der britischen University of Exeter alle wissenschaftlich sauberen Arbeiten zusammen, vier In-vivo- und fünf In-vitro-Studien, und fassten sie für Environment International (Adams et al., 2014) zusammen. In allen Studien war die Spermienqualität beeinträchtigt. Mal betraf es die Beweglichkeit, mal die Qualität oder die Konzentration. Das Fazit: Beim westlichen Mann sind ohnehin nur 50 bis 85 Prozent der Spermien beweglich und fruchtbar, durch die Handys sinkt diese Zahl um weitere acht Prozent.

Die Samenzählerei kann nicht erklären, wie die Wirkung entsteht. Eine plausible Theorie hat nichts mit der Mobilfunkstrahlung zu tun: Das Handy erwärmt sich bei Benutzung, und Wärme mögen Spermien nicht (deshalb liegen die Hoden außen am Körper). Forscher betrachten aber auch mögliche Strahlenschäden. Der Effekt ist klein, doch Männer, bei denen es mit der Fortpflanzung nicht klappt, sollten lieber das Handy anders transportieren.

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