Die Bundesregierung will mehr tun für künstliche Intelligenz (KI) – eine gute Nachricht. Das kürzlich vorgestellte Strategiepapier weist in die richtige Richtung. Im internationalen Vergleich aber wirken die geplanten Anstrengungen halbherzig: Bloß drei Milliarden Euro sollen fließen, gestreut über einen langen Zeitraum – bis 2025.

Deutschland sollte stattdessen China und die USA als Messlatte nehmen. Die chinesische Wirtschaft ist nur gut dreimal größer als die deutsche, ihr Leistungsbilanzüberschuss nur gut halb so groß. China zielt ab auf eine 150 Milliarden Dollar schwere KI-Industrie. Deutschland sollte überproportional mitziehen. Wie sonst will man die von der Regierung ja ausdrücklich gewünschte weltweite Führungsrolle in der KI-Wirtschaft übernehmen?

Auch auf kleinere lokale KI-Anstrengungen der ausländischen Konkurrenz liefert die Bundesregierung keine überzeugenden Antworten. Allein am Massachusetts Institute of Technology (einer einzelnen US-Universität) wird nun etwa eine Milliarde Dollar in KI investiert. In der Stadt Peking soll ein KI-Park für zwei Milliarden Dollar entstehen. Bei der Klausurtagung der CDU/CSU im September nahm der damalige Fraktionsvorsitzende Volker Kauder zwar meinen Vorschlag auf, eine ähnliche Summe für einen KI-Campus in einer attraktiven deutschen Großstadt zu investieren. Doch im nun vorgestellten Strategiepapier fehlen derartige Pläne für lokale deutsche Standorte völlig.

Zudem konzentrieren sich China und die USA auf "neue" KI: maschinelles Lernen und vor allem sogenannte tiefe neuronale Netze (Deep Learning). Um da mitzuhalten, sollte die Bundesregierung keine alten Strukturen bestärken, die wenig zur "neuen" KI beigetragen haben.

Zur Stärkung des deutschen Wagniskapitalmarktes präsentiert das Papier gute Ideen, aber zu wenig Geld. So soll die neue KfW Capital bis 2020 mit 200 Millionen Euro pro Jahr Start-ups das Leben erleichtern. Das ist ein Bruchteil der entsprechenden Ausgaben Chinas oder des riesigen staatlichen Risikokapitalgebers namens Pentagon in den USA, der schon viele Firmen großgezogen hat. Solange kein bedeutender privater europäischer Wagniskapitalgeber existiert, wäre ein üppiger staatlicher, aber ziviler Fonds besonders ratsam.

Vielversprechend ist eine Förderung für den Mittelstand durch "KI-Trainer". Kleine und mittlere Unternehmen sind zwar oft Weltmarktführer in ihrer Sparte, können sich aber keine eigenen Experten für maschinelles Lernen leisten. Den Aufenthalt solcher Profis für begrenzte Zeit zu subventionieren könnte die Firmen profitabler machen und sie schneller wachsen lassen.

Auch die Schaffung von 100 neuen KI-Lehrstühlen ist sinnvoll. Die wird aber nur derjenige würdig besetzen können, der mit den Gehältern in den USA und China mithält. Eine Million Dollar pro Jahr sind dort für Spitzenforscher durchaus möglich. Momentan dürfen deutsche Unis nur einen Bruchteil dessen anbieten.

Positiv fällt zudem auf, dass das KI-Papier PR zur "Aufwertung des Images von Deutschland im Bereich KI weltweit" anspricht. Viele Menschen wissen nicht, dass zentrale KI-Entwicklungen aus Deutschland stammen, von den selbstfahrenden Autos bis zu den grundlegenden lernenden künstlichen neuronalen Netzen für die KI auf drei Milliarden Smartphones. Würde man die Botschaft "Die moderne KI kommt aus Deutschland" durch entsprechende PR verbreiten, könnten sich auch Einheimische mehr dafür begeistern.