DIE ZEIT: Monsieur Raynaud, Sie sind seit April 2018 Executive Vice-President Sports & Advertising bei Sky. Was verbirgt sich hinter dieser Stellenbezeichnung?

Jacques Raynaud: Vielleicht bin ich am ehesten ein Verpackungskünstler. Mein Job ist es, unseren Schatz, exklusiven Livesport, so aufzubereiten, dass ihn unsere Kunden lieben. Dafür nutzen wir die umfangreichen Erkenntnisse unserer Marktforschung sowie das direkte Zuschauerfeedback.

ZEIT: Um Ihren Schatz so profitabel wie möglich an die Kunden zu verkaufen.

Raynaud: Es geht um ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis. Überdies sollte man das Innovationspotenzial im TV-Geschäft nicht unterschätzen; vor allem im Fußballbereich erfolgen Neuerungen in immer kürzeren Abständen.

ZEIT: Es gibt Menschen, auch unter Ihren Kunden, die gern den Status quo beibehalten würden. Sie ängstigen sich vor Veränderungen.

Raynaud: Ich denke, diese Angst ist natürlich, aber wir arbeiten täglich daran, unseren Kunden die Vorteile dieser Innovationen nahezubringen. Ein guter Medienmanager darf sich von Respekt vor Veränderungen nicht treiben lassen. Die Menschen haben oftmals Angst vor Neuem, vor allem wenn es ihre Gewohnheiten betrifft, aber sie erwarten gleichzeitig immer bessere und knackigere und regelmäßige Live-Übertragungen. Ich finde diesen Spagat spannend. Unter anderem liegen uns schon am Morgen nach einem Champions-League-Spieltag umfangreiche Nutzerzahlen unseres Programms vor. Welche Branche kann schon so schnell auf die Vorlieben der Kunden reagieren?

ZEIT: Trotzdem vergeht kaum ein Tag ohne Kritik an Ihrem Sender. Aktuell richtet sich der Unmut der Kunden gegen die Ankündigung, Sky Go ab kommendem Monat nur noch per App zur Verfügung zu stellen. Der Streamingdienst ist vor allem für diejenigen Zuschauer interessant, die ein Spiel oder eine Sendung auf dem Smartphone, Tablet oder PC anschauen wollen.

Raynaud: Es gab nur vereinzelt Kritik, die wir jedoch sehr ernst nehmen. Wir sind davon überzeugt, dass die Umstellung auf die App umfangreiche Vorteile für die Kunden mit sich bringt, dazu gehören zum Beispiel neue Funktionalitäten.

ZEIT: Ihre Kunden fühlen sich bevormundet. Warum lassen Sie die Zuschauer nicht selbst entscheiden, ob sie über die App oder über den Browser zum Anbieter gelangen? Das machen Dienste wie Netflix, DAZN oder Amazon Prime doch auch.

Raynaud: Wir haben unseren Service Sky Go zu Beginn des Jahres komplett runderneuert und dieses Update auf allen Empfangswegen ausgerollt. Die Umstellung für Desktop-PC ist hier der letzte, lange geplante Schritt, mit dem wir unseren Kunden ein noch besseres Erlebnis bieten möchten, inklusive neuer Funktionen wie der Möglichkeit, Inhalte herunterzuladen.

ZEIT: Und dafür müssen Sie die bisherige Browsernutzung komplett abschaffen?

Raynaud: Das hat technische Hintergründe. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der App-Lösung das beste Nutzererlebnis bieten können.

ZEIT: Und das Nutzungsverhalten Ihrer Kunden können Sie so praktischerweise noch besser erfassen und diese noch genauer kontrollieren ...

Raynaud: Darum geht es uns nicht.

ZEIT: Der Gedanke ist nicht ganz abwegig. Die legale parallele Nutzung eines Abos durch mehrere Zuschauer wollen Sie auch nicht einschränken?

Raynaud: Nein. Unser Ziel ist ausschließlich die Verbesserung der Nutzung.