Der UN-Migrationspakt wird bald in Hamburg ankommen. Jens Spahn, Kandidat für den Vorsitz der CDU, hat vorgeschlagen, über die geplante Absichtserklärung der Vereinten Nationen auf dem Parteitag der Christdemokraten abzustimmen. Am 8. Dezember, in der Hansestadt. Damit hat er in der Union den Streit über einen Pakt verschärft, der die Mobilität qualifizierter Migranten verbessern, die illegale Migration eindämmen und allgemein die Migrationsströme ordnen soll. Doch auch in anderen Ländern positionieren sich Gegner und Befürworter des Vorhabens.

Die Initiatoren

Die Idee für den UN-Migrationspakt wurde von europäischen Regierungen vorangetrieben. Nachdem 2015 Hunderttausende Flüchtlinge in die EU gekommen waren, drängte vor allem Deutschland bei den Vereinten Nationen auf das Papier. Es sollte zwar rechtlich nicht verbindlich sein, aber demonstrieren, dass die Weltgemeinschaft die Probleme der Migration gemeinsam lösen will. Die UN hat sich für das Dokument sogar einen englischsprachigen Hashtag ausgedacht: #ForMigration. Den kann man missverstehen, wenn man will.

Die Gegner

Offiziell abgelehnt wurde der Pakt bisher von den USA, Israel, Ungarn, Polen, Bulgarien, Estland und Österreich. In Australien, Kroatien, Slowenien, der Slowakei und Tschechien wird darüber diskutiert, unter den Gegnern sind inzwischen also viele EU-Mitglieder. Sogar die CDU in Sachsen-Anhalt unterstützt den Migrationspakt nicht. Manche Gegner sprechen von einem "Diktat der UN".

Die Euphoriker

Feierlich verabschiedet werden soll der UN-Migrationspakt zwei Tage nach dem CDU-Parteitag im marokkanischen Marrakesch. Die Betonung liegt dabei auf feierlich: Für viele Menschen und Regierungen im Süden ist das Dokument eine willkommene Abwechslung im Ton, in dem vielfach über Migration gesprochen wird. Der UN-Pakt beschreibt das Phänomen nicht bloß als Problem, sondern thematisiert auch die Vorteile. In Marokko trifft das einen Nerv. Viele Marokkaner leben und arbeiten im Ausland. Die Bevölkerung begrüßt mehrheitlich das Vorhaben ihrer Regierung, das UN-Treffen zu einem Fest zu machen, auf dem die Wertschätzung für Migranten im Mittelpunkt steht.

Die Stillen

Der Pakt richtet sich vor allem an die Golfstaaten – er fordert auch eine bessere Behandlung der Hunderttausenden Migranten aus Asien und dem Nahen Osten, die teils unter widrigen Umständen arbeiten und leben. Aus Riad, Katar oder Dubai kam bis jetzt aber weder eine Zu- noch eine Absage für die Party in Marrakesch.