Falls Sie noch keinen haben, sollten Sie sich beeilen. Sonst verpassen Sie noch den wichtigsten Tag im Dezember: den ersten. An diesem Tag beginnt nämlich die große Schenkerei, die traditionell am Heiligen Abend in einem spektakulären Präsentfinale gipfelt. Und dazu brauchen Sie einen dieser Adventskalender. Die waren früher dünn und aus Pappe und mit vorgestanzten Türchen, aus denen Kinder jeden Morgen ein fingernagelgroßes Stück Industrieschokolade pulen durften, wodurch Eltern die Chance bekamen, das "Wann ist denn endlich Weihnachten?"-Geplärre ohne Nervenzusammenbruch zu überstehen.

Heute richten sich Adventskalender an Erwachsene, die sich oder andere beschenken sollen, und das nicht nur zu Weihnachten, sondern tunlichst auch an den Tagen davor. Längst enthalten die Kalender nicht mehr nur Süßigkeiten, sondern je nach Vorliebe wahlweise Parfümflakons, Hautcremes, Müslirationen oder Sexspielzeug. Jede Tagesdosis ist einzeln in Plastik verpackt, was man durchaus gut mal zum Thema einer adventlichen Andacht machen könnte, von wegen Schöpfung bewahren und Müll vermeiden und so.

Im besten Fall erinnert noch der Name an den Advent, bisweilen nicht einmal der. So wie bei meinem diesjährigen Favoriten, dem "Adwurstkalender" einer münsterländischen "Fleisch- und Wurstwerkstatt", der versandkostenfrei geliefert für 59 Euro mit 24 Wurst- und Schinkensnacks den Hunger stillt, bis der Festtagsbraten endlich fertig ist. Der Adwurstkalender lässt sich übrigens prima mit dem 24-mal-0,33-l-Bierkastenkalender kombinieren, den praktisch jede deutsche Brauerei anbietet, und das sogar ganzjährig (Deko variabel).

Was wiederum diverse Optionen für das Adventskalendergeschäft der Zukunft aufzeigt. Warum die Geschenkezeit nicht von 24 auf 48 Tage verlängern? Oder die Anschaffung von Zweitkalendern propagieren? Damit die Vorfreude aufs Fest gleich doppelt so schön ist.