Sollen Kfz-Mechaniker einen Bachelor bekommen und Fachhochschulen das Recht, den Doktortitel zu verleihen? Ein Gespräch mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek

DIE ZEIT: Frau Karliczek, das Studium ist sehr beliebt, die jungen Menschen strömen an die Hochschulen. Teilen Sie die Kritik derjenigen, die von einem "Akademisierungswahn" sprechen, die also sagen: Was nützen uns all die klugen Köpfe, wenn mir niemand das Dach deckt?

Anja Karliczek: Es ist gut, vom Ende her zu denken. Die Arbeitslosenquote unter Akademikern ist sehr gering – das sind gut ausgebildete Leute, die alle ihren Platz finden: an den Hochschulen selbst, in der industriellen Forschung, im ganz normalen Arbeitsmarkt. Ich will, dass sich alle frei entscheiden können, was sie lernen möchten. Aber der Staat kann den jungen Menschen noch deutlicher sagen, dass es verschiedene Ausbildungswege gibt und dass sie alle gleichwertig sind.

ZEIT: Deswegen haben Sie jetzt vorgeschlagen, dass berufliche Fortbildungen mit einem "Berufsbachelor" und "Berufsmaster" abgeschlossen werden können. Ausbildung, Studium, ist das demnächst alles irgendwie dasselbe?

Karliczek: Ich glaube, dass die praktische Ausbildung und das theoretische Studium immer enger zusammenwachsen. Die meisten Ausbildungen heutzutage sind komplex, das hat nur wenig zu tun mit den alten Lehrberufen, wie wir sie noch im Kopf haben. Und bei den Abschlüssen der höher qualifizierenden Berufsbildung sind die Anforderungen hoch. Wenn wir es mit der Gleichwertigkeit ernst meinen, dann sollten das die Bezeichnungen abbilden. Deshalb finde ich es richtig, wenn der Kfz-Meister zusätzlich die Bezeichnung "Berufsbachelor in Kfz-Technik" führen darf. Das trägt auch zu mehr internationaler Vergleichbarkeit bei.

ZEIT: Unterstützen Sie dann auch den Wunsch der Fachhochschulen nach einem Promotionsrecht?

Karliczek: Ich finde, der Unterschied zwischen Universität und Fachhochschule sollte erhalten bleiben, weil sie jeweils einen anderen Fokus haben. Das Studium und die Ausbildung an Fachhochschulen sind extrem gut organisiert, diese haben einen engen Draht zu den Unternehmen, sie halten auch die jungen Menschen in ihrer Region. Und deswegen verdienen sie eine besondere Förderung. Bund und Länder haben gerade mehrere Programme beschlossen, um die Fachhochschulen zu stärken, auch weil sie immer mehr Studienanfänger aufnehmen.

ZEIT: Es fehlen Hunderte Professoren, um diese Studierenden gut zu betreuen. Die FHs finden kein Personal, weil die Bezahlung zu gering ist. Reichen 430 Millionen Euro, um das zu lösen?

Karliczek: Es hängt ja nicht nur am Geld. Attraktive Rahmenbedingungen in einem Beruf sind viel mehr wert als nur Euro und Cent. Wer zehn Jahre glücklich in der Industrie war, hat vielleicht Lust, die Berufserfahrung in der Lehre anzuwenden. Viele Menschen fühlen sich heute nicht mehr für immer an einen Arbeitsplatz gebunden. Sie sind offen dafür, das Feld zu wechseln. Ich möchte aber eines deutlich sagen: Die Personalkosten der Hochschulen sind Ländersache. Mit dem Geld, das jetzt vom Bund kommt, geben wir eine Startunterstützung.

ZEIT: Solche Anreize setzt auch das Programm zur Forschungsförderung, mit 60 Millionen Euro pro Jahr. Die Fachhochschulen wünschen sich aber eine langfristige Lösung – eine "Deutsche Transfergemeinschaft", die Drittmittel für anwendungsbezogene Forschungsprojekte bereitstellt.

Karliczek: Ich bin nicht dafür, ständig neue Strukturen aufzubauen. Aber unser Programm setzt mehr als Anreize: Mit der längerfristigen Förderung haben wir auch die Profilbildung der Fachhochschulen unterstützt. In den nächsten fünf Jahren stellen wir 300 Millionen Euro bereit. Der Bund unterstützt außerdem gezielt einzelne Schwerpunkte in Lehre oder Transfer, etwa im Bereich künstliche Intelligenz. Nur durch solche spezifischen Programme bleiben wir flexibel.