Das Jahr 2018 hat Anleger einmal mehr eine eigentlich altbekannte Lektion gelehrt: Wer blind einem Herdentrieb folgt, kann sehr viel Geld verlieren. Die Rede ist von der Kryptowährung Bitcoin, die vor einem Jahr Anleger in rauschhafte Zustände versetzte, aber seitdem zwei Drittel ihres Werts verloren hat. Vielen anderen sogenannten Coins ging es noch schlechter. Einer Analyse des Wall Street Journal zufolge ist von 1.500 Kryptowährungen außerdem jede fünfte betrügerisch. Und auch von der Technologie hinter vielen Kryptowährungen, der Blockchain, wenden sich mehr und mehr Firmen wieder ab: Einer Studie der China Academy of Information and Communications Technology zufolge haben von den weltweit 80.000 Blockchain-Projekten nur acht Prozent überlebt.

Doch bei aller Skepsis: Es gibt Erfolgsbeispiele. Die von der Australierin Leanne Kemp im Diamantenhandel aufgebaute Blockchain Everledger dient zum Beispiel Bergbaugesellschaften, Händlern, Versicherungen und Schleifzentren zur einwandfreien Identifikation der 2,2 Millionen auf einer Blockchain erfassten Diamanten. Die australische und die schweizerische Börse arbeiten bereits mit Blockchains in der Wertpapierabwicklung. Die Frankfurter Börse will versuchsweise Wertpapierleihe per Blockchain anbieten. Banken wiederum setzen Blockchains in der Handelsfinanzierung ein. Und Telekommunikationsunternehmen planen, Roaming-Gebühren mithilfe einer Blockchain schneller abzurechnen.

Für Anleger heißt das: Wer in Blockchain-Projekte investieren möchte, darf sich noch Hoffnungen machen – sollte aber starke Nerven haben und Verluste aushalten können. Und weil es selbst Experten schwerfällt, die Erfolgsaussichten einzelner Unternehmen einzuschätzen, sollte man überhaupt nur in Fonds investieren, die das Geld auf mehrere Unternehmen verteilen und das Risiko so etwas reduzieren.

Einige Fonds in dem Bereich gibt es bereits, an der Börse lauten ihre Handelskürzel BLOK, BLCN, LEGR oder KOIN. Sie investieren in Technologie-Unternehmen, Banken, Minengesellschaften und Unternehmen, die sich mit Blockchain befassen, etwa in den IT-Konzern IBM, die Softwarehersteller SAP und Microsoft oder die Chipfirmen Intel und Taiwan Semiconductor.

Für diese Firmen ist die Blockchain aber nur ein Nebengeschäft. Fonds mit Fokus auf reine Blockchain-Firmen sind selten. Einen gibt es allerdings auch schon in Deutschland, er heißt ChainBerry Equity und wurde in Hamburg von Hansainvest und ChainBerry Asset Management aufgelegt. Sein Erfinder Karsten Müller, Geschäftsführer bei ChainBerry, hat im Börsenhandel und in der Blockchain-Technologie Erfahrungen gesammelt und das Buch Blockchain-Boom – Geschichte der Zukunft auf den Markt gebracht. Sein Fonds wählt gezielt Firmen aus, die patentierte Blockchain-Technologien entwickeln.

Karsten Müller ist ein Blockchain-Jünger. "Die Technologie wird zu ähnlichen Umwälzungen in Wirtschaft, Gesellschaft und an den Kapitalmärkten führen wie das Internet vor 25 Jahren", sagt der Unternehmer. Das kann man glauben oder auch nicht. Wenn man es glaubt und etwas Wagemut mitbringt, dann ist sein Fonds womöglich eine gute Wahl.