Liebe Außerirdische, immer mehr Astrophysiker sind der Meinung, dass Euer Besuch auf Mutter Erde demnächst bevorsteht. Toll, wir freuen uns! Auf jeden Fall solltet Ihr Euren Besuch zeitnah planen, bevor es auf der Erde noch heißer wird und wir beim ersten Hallosagen ins Schwitzen kommen.

Wie Ihr wisst, ist es bei uns mit Parkplätzen echt schwierig. Am besten, Ihr landet in der Nebensaison auf einem Campingplatz, da gibt es Platz satt. Strom und Wasser sind im Preis inbegriffen, nur Warmduschen geht extra (fünf Minuten 50 Cent). Bitte die Stellplatz-Quittung gut sichtbar hinter der Ufo-Scheibe befestigen! Anders als bei Euch daheim bewegen sich die Menschen auf Erde 1.0 nicht mit Lufttaxis, sondern mit ölbetriebenen Fahrzeugen, so wie Eure Urahnen in grauer Vorzeit. Am einfachsten ist es, Ihr besteigt nach der Landung einen ÖPNV-Bus und löst eine Gruppenkarte in die Innenstadt. Wählt das passende Tarifgebiet (A, B, C oder D) und gebt das korrekte Fahrtziel ein. Statt einer Gruppenkarte könnt Ihr auch ermäßigte Tagesfahrausweise mit Kinderbegleitberechtigung erwerben (gilt nur an Wochenenden, ohne Tarifgebiet D). Keine Scheine, nur Barzahlung.

Leider sind unsere Innenstädte immer außerirdisch voll. Seid vorsichtig bei Ampeln mit grünem Abbiegepfeil! Der ist für Aliens total ungewohnt und eine stete Quelle der Zwietracht. Gerade ist bei uns Vorweihnachtszeit; sie beginnt kurz nach Ostern und gehört zu unserer Religion. In den Fußgängerzonen duftet es nach Lebkuchen, und die Erdlinge trinken Glühwein, damit ihnen christlich ums Herz wird. Leider liegen vor Luxusläden oft Schlafsäcke und Decken rum. Achtung! Nicht drauftreten, da sind Menschen drin, die sich weigern, Miete zu zahlen. Ihr dürft sie gern füttern, Ihr könnt es aber auch lassen. Falls Euch der Anblick stört: Bei uns haben große Einkaufsstraßen eine eigene Security. Sprecht sie nett an, dann räumen sie die Schlafsäcke weg.

Liebe Außerirdische, wir besitzen auch erstklassige Museen. Darin finden sich oft wunderschöne Dinge aus anderen Kontinenten, zum Beispiel aus Afrika. Als wir Europäer den Afrikanern seinerzeit einen Antrittsbesuch gemacht haben, glaubten sie, wir seien Außerirdische, worauf es zu unschönen Szenen kam. Zum Glück ging alles gut für uns aus, und die Afrikaner schenkten uns viele Kunstwerke – Skulpturen und Masken aller Art. Noch heute passen wir gern auf diese herrlichen Sachen auf, denn im Aufpassen sind Europäer besser als Afrikaner, die das erst noch lernen müssen. Beeilt Euch, bevor wir alles zurückgeben müssen, sonst ist bald FINIS