Wenn sich Finanzmenschen in Verbraucher hineinversetzen wollen, kann es spannend werden – und unfreiwillig komisch. So wie an einem Herbstnachmittag hinter den Panoramafenstern des Hamburger Kreativlabors Tabularaza. In einem Workshop sind Banker zugegen, Versicherungsprofis, Gründer von Finanztechnologie-Firmen. "Um heute die Kunden von morgen zu verstehen", sagt ein Moderator, "müsst ihr euch erst mal aufschlauen."

Genau: aufschlauen. Heißt heute: Thesen diskutieren. Im Jahr 2025 wird Datenschutz ein unwichtiges Randthema für Kunden sein? Davon ist die Hälfte der Anwesenden überzeugt. Fast alle Kunden werden ihre Finanzen im Jahr 2025 per Smartphone regeln? Selbstverständlich, finden die meisten. Sie werden sich auch bei komplexen Fragen von künstlicher Intelligenz beraten lassen? Ja! "Aber", erwidert ein Banker, "die Kunden brauchen doch Abschlussverstärker aus Fleisch und Blut!" Prompt regt sich Widerspruch: "Nein, ein digitales Angebot kann intelligenter und emotionaler sein als Bankberater, die ja einfach nur Menschen sind."

Einfach nur Menschen: Das reicht in Zukunft vielleicht nicht mehr, wenn man Kunden beraten will. Denn die werden ihre Geldangelegenheiten in Zukunft ganz anders regeln als bisher. Einer Umfrage des Technologieverbands Bitkom zufolge erledigt schon heute fast jeder zweite Kunde unter 50 Jahren seine Bankgeschäfte per Smartphone. Ähnlich viele sind überzeugt, dass digitale Technologien helfen können, Finanzen zu optimieren – dass man also dank der Digitalisierung Geld sparen und vermehren kann. Nur unter den Menschen über 65 überwiegen die Zweifler. Auch das Verständnis für digitale Angebote wächst, ist aber noch lückenhaft: 55 Prozent der Verbraucher fühlen sich von den digitalen Angeboten rund um Banking und Bezahlen überfordert. Dabei gibt es eine Vielzahl nützlicher Angebote – ganz gleich ob man Geld organisieren, bewegen, vermehren oder leihen möchte. Ein Überblick.

I. Geld geregelt kriegen

Estnischer Birkensaft, Burger aus Insekten: Wer die Gründershow Die Höhle der Löwen im Fernsehen verfolgt, muss sich verrückte Ideen anhören. Anfang Oktober aber taten zwei Jungunternehmer in der Sendung etwas, was viele Menschen ihnen gerne gleichtun würden: Vor der Kamera pfefferten sie einen Ordner voller Kontoauszüge und Vertragsunterlagen in die Ecke. Mit ihrer Smartphone-App Finanzguru, so die Botschaft der Brüder Benjamin und Alexander Michel, könne man sich den Papierkram sparen.

Tatsächlich ist Finanzguru eine hilfreiche App, weil sie sich zunutze macht, worin künstliche Intelligenz der menschlichen überlegen ist: beim Daten sammeln, sortieren und auswerten. Wer die App runterlädt und seine Bankkonten mit ihr verknüpft, dem listet sie übersichtlich auf, wofür das eigene Geld verwendet wird, gut sortiert nach regelmäßigen und einmaligen Ausgaben. Die App prognostiziert, welche Geldflüsse wann zu erwarten sind und wie lange das Geld auf dem Konto noch reicht. Sie hilft, teure Verträge zu erkennen und durch günstigere zu ersetzen. Das alles erledigt die App kostenlos, die Gründer hoffen auf die Provisionen, die sie durch die Vermittlung neuer Handy- und Stromverträge bekommen.

Bisher kommt Finanzguru ziemlich gut an: Die vielen Tausend Nutzer bewerten das Programm im Schnitt mit 4,6 von 5 Sternen. Die Deutsche Bank hat knapp eine Million Euro in das Start-up investiert. Und in der Sendung Die Höhle der Löwen kam im Oktober noch einmal eine Million Euro dazu. "Jungs, ihr druckt Geld", befand der Seriengründer Frank Thelen in der Sendung und gab zu bedenken, dass das aber nur dank sensibler Kundendaten möglich sei. Damit wollen die Gründer sorgfältig umgehen: Die Bankdaten seien verschlüsselt und sicher in einem Rechenzentrum mit "höchsten Sicherheitsstandards" gespeichert, außer den Nutzern selbst könne sie niemand auslesen.

Ein bisschen Zeit vergeuden und Daten verlieren ist ärgerlich. Schlimmer ist es, wenn Daten in die falschen Hände geraten. © David Avazzadeh

Zu Finanzguru gibt es eine Reihe von Alternativen, die Apps Mint und Finanzblick zum Beispiel. Und es gibt digitale Angebote, die nicht nur die Geldflüsse nachvollziehbarer machen sollen, sondern das ganze Vermögen – etwa die App Ownly, die neben Konten auch Depots und Sachwerte wie Immobilien erfasst und bewertet. Das könnte den Nutzern helfen, sich jederzeit schnell einen Überblick über das eigene Vermögen zu verschaffen und darüber, wie breit es gestreut und damit vor Verlusten geschützt ist.

Auch wer seine Versicherungen optimieren will, dem können digitale Angebote helfen. So lassen sich auf den beiden Portalen Emil.de und Friday.de seit Kurzem Autoversicherungen abschließen, deren Kosten sich nach den gefahrenen Kilometern richten. Wer Emil nutzt, bekommt einen Stick fürs Auto, der die gefahrenen Kilometer zählt; bei Friday genügt es, einmal im Jahr den Kilometerstand mitzuteilen. Emil ist außerdem monatlich kündbar – und damit eine Ausnahme, denn die meisten Autopolicen lassen sich nur zum Jahresende kündigen.

Andere Versicherungs-Start-ups versuchen sich an ebenso flexiblen Ideen: Auf Hepster.de etwa lassen sich Elektronik- und Sportgeräte monats- oder jahresweise sowie Reisen und sportliche Aktivitäten tageweise versichern. Und dann gibt es inzwischen viele Firmen, die per App ziemlich unkompliziert und zum Discountpreis bei der Steuererklärung helfen – sie heißen Felix1, Taxfix, Wundertax oder Taxbutler.

Aber ganz gleich, wie die Apps in Gelddingen helfen, bei ihnen allen stellt sich eine wichtige Frage: Ist man bereit, seine Konto- und Vertragsdaten im Tausch gegen Transparenz und Komfort jungen Unternehmen anzuvertrauen? Und sich auch noch auf deren Sicherheitsversprechen zu verlassen? Ärgerlich kann es werden, wenn ein junger Dienst wieder verschwindet – so wie die Plattform Moneymap, die wie Finanzguru laufende Kosten analysieren und Verträge optimieren wollte. Im August wurde sie eingestellt. Bereits abgeschlossene Verträge sind dadurch zwar nicht gefährdet, und das Unternehmen hat versprochen, sämtliche Kundendaten zu löschen. Doch wer seine Daten eingepflegt und sich an den Dienst gewöhnt hatte, hat sich vergeblich Mühe gegeben.

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II. Geld aufbewahren

Zeit zu vergeuden ist ärgerlich. Schlimmer ist es, wenn Daten in die falschen Hände geraten. Umso mehr sollte man auf die Zuverlässigkeit eines Dienstes achten – also etwa darauf, mit welchen Versicherern eine Plattform zusammenarbeitet. Oder darauf, mit welcher etablierten Bank ein Finanz-Start-up kooperiert, wenn es selbst keine Banklizenz besitzt. Auch die Online-Bewertungen anderer Nutzer geben Aufschluss darüber, wie gut eine App oder eine Plattform ist.

Vorsicht ist angesagt, wenn ein Dienst die Geldströme nicht nur auswertet, sondern auch Geld aufbewahrt, transferiert und entgegennimmt. So wie die Online-Bank N26, die im Jahr 2015 an den Markt gegangen ist und inzwischen eine eigene Banklizenz besitzt. Wer bei N26 ein Konto eröffnen will, kann das beim Sonntagsfrühstück vom Küchentisch aus erledigen: Die App erfasst alle wichtigen Angaben, und in einem kurzen Videogespräch kann man die eigene Identität verifizieren – einfach Gesicht und Personalausweis in die Kamera des Smartphones halten. Keine zehn Minuten dauert es, bis das Konto einsatzbereit, die Kreditkarte unterwegs und auch ein Dispokredit freigeschaltet ist; der Sollzins ist mit 8,9 Prozent zwar nicht günstig, aber im Vergleich zu anderen Anbietern auch nicht übermäßig hoch.

Smartphones ermöglichen es, die Brötchen beim Bäcker im Handumdrehen und ohne Bargeld zu bezahlen. © David Avazzadeh

Noch etwas macht andere Banken neidisch: N26 entwickelt sich zu einer Plattform, bietet also den Kunden nicht nur ein Konto, sondern auch Produkte anderer Anbieter. So kann man mithilfe des Anlageprogramms Vaamo Geld anlegen (siehe Punkt 5) oder über die Kreditplattform Auxmoney Geld leihen (siehe Punkt 4). Auch kontaktloses Bezahlen mit Google Pay (siehe Punkt 3) ist möglich. N26 ist damit quasi zu einem Finanz-Bauchladen geworden. Gerade hat die Bank außerdem Unterkonten eingeführt, die sich beliebig benennen lassen, zum Beispiel "Reserve" oder "Urlaub". Per Drag and Drop kann das Geld hin und her geschoben werden. Eine praktische Funktion, um Geld auf die Seite zu legen – allerdings ist die Zahl der Unterkonten beim kostenlosen Konto auf zwei beschränkt; wer mehr will, muss mindestens 9,90 Euro im Monat zahlen und bekommt dann gleich noch ein Reiseversicherungspaket der Allianz dazu.

N26 ist komfortabel. Allerdings sorgte das Unternehmen auch häufiger für Negativschlagzeilen – etwa als es Kunden kündigte, die zu häufig kostenlos Bargeld abheben wollten. Oder als es einem Computerexperten gelang, Sicherheitslücken offenzulegen, die das Unternehmen dann schnell schließen musste. Und jüngst berichtete die Wirtschaftswoche, dass sich im Ausland mit gefälschten Ausweisen leicht Konten bei N26 eröffnen ließen.

All das bremst nicht die Begeisterung der Kunden, mehr als 1,5 Millionen sollen es laut Angaben der Bank europaweit inzwischen sein. Ein Erfolg, der die Bankenwelt aufgerüttelt hat: Die ebenso junge britische Online-Bank Revolut liefert sich mit N26 seit Ende 2017 ein Rennen um die Kunden in Deutschland; auch sie bietet die Möglichkeit, Unterkonten – sogenannte Vaults – zu eröffnen, außerdem lassen sich ein monatliches Ausgabebudget definieren und Kryptowährungen handeln. Auch viele etablierte Banken eifern N26 nach; so haben einige Sparkassen Yomo entwickelt, ein Girokonto fürs Smartphone, das ähnlichen Komfort verspricht wie N26, aber bei Weitem nicht so erfolgreich ist.

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III. Geld bezahlen

Welche Angebote bei Privatkunden in Zukunft besonders gefragt sind, hängt auch mit einer anderen Frage zusammen: Wie leicht lässt sich damit im Alltag bezahlen? Laut dem World Payments Report der Bank BNP Paribas und der Beratungsfirma Capgemini wird schon heute weltweit jede zehnte bargeldlose Transaktion über digitale Apps oder Plattformen abgewickelt. Die Unternehmensberatung ZEB geht davon aus, dass in Europa bereits jeder Zweite solche digitalen Bezahldienste nutzt.

Unter den Anbietern herrscht harter Wettbewerb, die kleinen gehen reihenweise in die Knie, zuletzt die App Cringle. Mit ihr sollten sich Geldbeträge so leicht an andere Smartphone-Nutzer versenden lassen wie Kurznachrichten. Doch obwohl Cringle zuletzt immerhin 15.000 Zahlungen pro Monat abwickelte, stellten die Gründer den Dienst Anfang Oktober ein. "Es sind keine Transaktionen mehr möglich, und der Support reagiert auch nicht mehr", beklagte ein Nutzer prompt auf Facebook, "wenigstens eine Info wäre nett, da man seine Schulden sonst anderweitig begleichen muss."

Mit solchen Überraschungen muss man in der digitalen Finanzwelt rechnen, wobei auch in diesem Fall kein Geld verloren ging. Der angegebene Grund für das Ende von Cringle: Das Unternehmen habe keine Investoren mehr gefunden, die sein Wachstum finanzieren wollten, die Geldgeber hätten den Markteintritt der sogenannten GAFA – Google, Apple, Facebook und Amazon – gefürchtet. "Das Rennen um die Nutzer ist in den Augen vieler bereits verloren", schrieben die vier Gründer resigniert in ihrem Blog.

Die großen Internetkonzerne sorgen im Moment für Unruhe. Im Juni hatte Google mitgeteilt, dass sein Bezahldienst Google Pay von nun an auch in Deutschland verfügbar ist; auch Apple Pay soll noch in diesem Jahr in Deutschland starten. Die beiden Dienste wollen nicht weniger, als das Smartphone zum Portemonnaie machen, indem sie quasi die Kreditkarte seines Besitzers digitalisieren: Um im Supermarkt oder beim Friseur Beträge von bis zu 25 Euro zu bezahlen, genügt es, das Smartphone ans Kassenterminal zu halten – ohne unterschreiben oder die Geheimzahl eingeben zu müssen. Weil Kreditkarten in Deutschland deutlich weniger verbreitet sind und deutlich seltener zum Bezahlen genutzt werden als etwa in den USA, hat Google Pay einen Weg gefunden, der Kreditkarten obsolet macht: Es kooperiert mit dem digitalen Bezahldienst Paypal, der hierzulande von etwa 20 Millionen Menschen genutzt wird. Die Brötchen per Paypal zu zahlen ist damit möglich – jedenfalls wenn der Bäcker eines der etwa 550.000 Bezahlterminals in Deutschland verwendet, mit denen kontaktloses Bezahlen schon möglich ist.

Für viele Menschen ist Paypal bisher der einzige Weg, Google Pay zu nutzen, entweder weil sie keine Kreditkarte haben oder weil ihre Bank keine vergleichbare Lösung anbietet. Einige Banken haben sich entschieden, mit Google zu kooperieren – so wie etwa die Commerzbank, Comdirect und die Deutsche Bank. Oder sie entwickeln eigene Angebote – so wie die Volksbanken und die Sparkassen. Die haben nicht nur eine Funktion namens Kwitt in ihre Apps eingebaut, mit der sich Geldbeträge bequem via Auswahl im Telefonbuch an andere Nutzer schicken lassen. Die Institute bieten auch Google und Apple die Stirn, wenn es ums kontaktlose Bezahlen geht: Die Volksbanken haben die Funktion in ihre VR-BankingApp integriert, die Sparkassen haben die separate App Mobiles Bezahlen entwickelt. Beide funktionieren auch mit Girokarten – was all jenen hilft, die keine Kreditkarte haben.

Mobiles Bezahlen bietet einen weiteren Vorteil: Nutzer können festlegen, auf wie viel Komfort sie zugunsten von mehr Sicherheit verzichten. Auf der geringsten Sicherheitsstufe muss nur der Bildschirm aktiviert werden, um an der Supermarktkasse kontaktlos zu bezahlen. In Stufe zwei muss das Gerät zudem entsperrt, in Stufe drei zusätzlich die App gestartet werden. Das dauert jeweils ein bisschen länger, macht es aber Unbefugten schwerer, mit dem Smartphone bezahlen.

Eine wichtige Einschränkung gibt es: Mit iPhones lässt sich bisher weder die Sparkassen-App noch die der Volksbanken nutzen – Apple hat seine Schnittstelle zum Ärger der Banken dafür bisher nicht freigegeben. Das macht einen weiteren Dienst attraktiv: Bluecode des gleichnamigen österreichischen Unternehmens. Dessen Gründer Christian Pirkner hat sich nicht weniger vorgenommen, als eine europäische Alternative zu Apple und Google aufzubauen, die er Banken und Händlern zur Verfügung stellt.

Auch mit Bluecode lassen sich Einkäufe in Geschäften oder an Automaten bezahlen: Die App generiert einen Strichcode, der dann eingescannt wird; der Betrag wird vom hinterlegten Konto abgebucht. In Österreich ist Bluecode sehr verbreitet, auch in Deutschland haben einige Händler und Banken die Technologie eingebunden. Den Durchbruch verspricht sich die Firma von einer gerade gestarteten Kooperation mit dem chinesischen Bezahldienst Alipay, dessen 700 Millionen Nutzer nun bei Reisen in Europa dank Bluecode bezahlen können.

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IV. Geld leihen

Die Bleichenbrücke liegt in Hamburgs bester Einkaufsgegend. Hinter den großen Schaufenstern von Hausnummer elf kann man allerdings kein Geld verprassen – man kann welches leihen. In dem hell erleuchteten Raum hängen Poster, auf denen Sätze stehen wie: "Wake Up, Kick Ass, Repeat", man wird empfangen von einem freundlichen Mann mit Turnschuhen und Poloshirt. Er erzählt, dass er früher einmal Banker war und oft "Mist zu Gold" habe reden müssen. Hier aber sei das anders, hier vermittelt er Ratenkredite von bis zu 100.000 Euro zu einem Zinssatz zwischen 2,5 und 4,5 Prozent. So unmissverständlich, schnell und günstig wie hier, sagt der Mann, bekomme man ein Darlehen bei seiner Hausbank nicht. Hier, das ist die erste Filiale der Online-Kreditplattform Finanzcheck. Banken mögen ihre Geschäftsstellen schließen – Online-Firmen machen inzwischen sogar welche auf.

Das liegt daran, dass ihre Geschäfte ziemlich gut laufen. Wer Websites wie Finanzcheck, Smava, Check24 oder Verivox im Netz ansteuert, kann dort mehr als 70 Angebote verschiedener Banken vergleichen und Kreditanfragen starten. Das sorgt für jene Transparenz, die man sich früher nicht einmal verschaffen konnte, wenn man mehrere Bankfilialen abklapperte.

Zuletzt aber gab es Kritik: Im Sommer mahnte die Marktwächter-Initiative der Verbraucherzentralen die Firma Smava ab, weil sie Kunden konkrete Auszahlungsversprechen gemacht habe, obwohl sie nur Vermittler von Krediten und selbst keine Bank sei. Außerdem gab es Klagen von Verbrauchern über Kreditangebote mit negativen Zinsen, mit denen sich einige Plattformen in diesem Jahr gegenseitig unterboten hatten: Viele Verbraucher hätten diese Konditionen gar nicht in Anspruch nehmen können, sondern nur teurere Angebote erhalten.

Kann gut sein, dass sich Kundenberater einer Online-Plattform nach einer Anfrage wieder und wieder melden, selbst wenn man sich gegen einen Kredit entschieden hat – dann sollte man standhaft bleiben. Online-Portale erleichtern das Geldleihen, aber man sollte sich nur verschulden, wenn es nicht anders geht – etwa weil man ein Auto anschaffen muss, das man für den Arbeitsweg braucht.

Wichtig: Auch für die Kreditanfragen muss man eine Vielzahl persönlicher Daten hergeben. Anhand dieser Daten berechnen die Portale die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Kredit bekommt, und zeigen dem Kunden dann nur solche Angebote, die vermutlich auch ausgezahlt werden. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass auch klassische Banken die Daten nutzen, um den Kunden zu bewerten, bevor sie Geld verleihen.

Aber wie wird man eigentlich von Banken bewertet? Die Online-Plattform Bonify will Licht in dieses Dunkel bringen. Wer sich dort anmeldet, erfährt, wie es um die eigene Bonität bestellt ist, wie hoch der sogenannte Score ist. Jener Wert also, den Banken, Stromanbieter und Online-Shops heranziehen, um zu entscheiden, welche Konditionen und Zahlungsmöglichkeiten sie einem Kunden gewähren. Bonify arbeitet mit der Auskunftei Creditreform zusammen, um den Score ausweisen zu können; außerdem ist es nötig, der Plattform Zugriff auf das eigene Girokonto zu gewähren. Wer damit einverstanden ist, dem erklärt die Plattform, welche Konditionen man erwarten kann, und sie schlägt Verträge mit besseren Konditionen vor. Dabei sichert sie zu, dass allein die Abfrage des Scores nicht die Bonität verschlechtert und dass die vielen erhobenen Daten nicht ohne Rückfrage weitergegeben werden.

Während diese Digitalangebote allen Verbrauchern gleichermaßen zu Geld verhelfen sollen, gibt es auch Plattformen, die sich auf Menschen in bestimmten Lebenslagen spezialisiert haben. So wie DeineStudienfinanzierung.de des Berliner Start-ups FiRec. Die Idee dahinter: "Es muss leichter sein, Geld für sein Studium zu bekommen, als sich bei Netflix für eine Serie zu entscheiden", sagt David Meyer, ein gelernter Banker und einer der drei Gründer.

Wer sich durch die Online-Abfrage klickt, erfährt zunächst, wie viel Geld er in etwa zum Lebensunterhalt an seinem Studienort benötigt. Nach etwa fünf Minuten erfährt man, ob man einen Anspruch auf Bafög hat; weitere 30 Minuten genügen, um die nötigen Dokumente hochzuladen und Bafög zu beantragen. Pro Antrag sind 30 Euro fällig, für 80 Euro gibt es eine Flatrate bis zum Studienende.

Auf die Idee sind Meyer und seine beiden Mitgründer gekommen, als sie an Berliner Unis Studenten befragten. Kaum jemand wusste, in welchen Fällen er Anspruch auf Bafög vom Staat hat, wie man es beantragt und wo es darüber hinaus Studienkredite und Bildungsfonds gibt. Bürokratie und Durcheinander schrecken viele ab: Von 2,8 Millionen Studenten, sagt Meyer, hätten zwar 1,7 Millionen Anspruch auf Bafög, aber nur knapp 0,6 Millionen würden es tatsächlich bekommen. Und das, obwohl das Darlehen vom Staat zinsfrei ist und man sogar bis zu 50 Prozent Nachlass erhält, wenn man es vorzeitig zurückzahlt.

Das Projekt der drei Gründer kann also vielen Studenten helfen, es ist aber nicht die einzige Möglichkeit. Auch die Online-Plattform MyStipendium.de der Initiative für transparente Studienförderung hilft weiter; bei ihr lassen sich mehr als 2000 Stipendien durchsuchen – kostenlos.

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V. Geld vermehren

Sogenannte Robo Advisor helfen beim Vermögensaufbau, indem sie das Geld ihrer Kunden intelligent umschichten. © David Avazzadeh

Die Firma, die in den vergangenen fünf Jahren mehr als acht Milliarden Euro bewegt hat, versteckt sich in einem Hinterhof im Prenzlauer Berg in Berlin. Hier in einem Altbau sitzt das Unternehmen Raisin, eines der am schnellsten wachsenden Fintechs in Deutschland. Seine Plattform Weltsparen ist quasi das Gegenstück zu den Kreditplattformen: Hier kann man sein Geld verleihen – und zwar an Banken, die dafür noch Zinsen zahlen. Es genügt, Anlageform, Laufzeit und Anlagebetrag einzugeben, dann zeigt die Plattform in einer Liste die Angebote mit den besten Konditionen an; alle Angebote stammen von Banken aus Europa, die der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen. Wer also sicherer anlegen will als etwa an der Börse, kann sich bei einer Festgeldanlage über Weltsparen Zinsen von bis zu 2,2 Prozent pro Jahr sichern – wohl mehr, als die Hausbank bietet.

Doch die Festgeld- und Tagesgeldangebote, die Raisin nach eigenen Angaben schon mehr als 150.000 Kunden aus mehr als 30 Ländern vermittelt hat und die es in ähnlicher Form auch bei Zinspilot und Savedo gibt, haben den Raisin-Gründern irgendwann nicht mehr gereicht. Seit diesem Jahr können Nutzer der Plattform ihr Geld auch in sogenannten Exchange Traded Funds (ETFs) anlegen – Fonds, die stur Indizes wie den Dax abbilden und deswegen ohne Manager auskommen und in der Regel günstiger als aktiv gemanagte Fonds sind. Je nach Neigung kann man zwischen vier Angeboten auswählen: Je risikofreudiger, desto höher ist der Aktienanteil im Depot, desto größer sind die Gewinnchancen, aber auch die Verlustgefahren. Wie viel man sich zutraut, muss man bei Weltsparen allerdings selbst einschätzen.

Bei sogenannten Robo Advisors ist das anders: Diese Finanzplattformen setzen auf Algorithmen, die Anlegern bei der Investition in Wertpapieren helfen sollen. Und zwar möglichst komfortabel: Wer bei einem Robo sein Geld anlegen will, der muss zu Beginn online einige Fragen beantworten, dann erhält er eine Anlageempfehlung, die sich an der gemessenen Risikobereitschaft misst. Auch hier gilt: Je mehr man wagt, desto höher der Aktienanteil in dem Mix, den der Robo vorschlägt. Ist man damit einverstanden und legt einen zumeist mindestens vierstelligen Betrag an, kümmert sich der Robo ums Geldvermehren: Er investiert in Fonds, oft günstige ETFs, und schichtet das Kapital um, wenn Kurse fallen oder steigen, damit die Verteilung des angelegten Geldes immer zur eingestellten Risikoneigung passt.

Wer einen Robo nutzen will, hat inzwischen viel Auswahl: Neben großen Geldhäusern wie der Deutschen Bank, der Quirin Bank, der Commerzbank und ihrer Tochter Comdirect bietet auch eine Reihe von jungen Finanztechnologiefirmen Robos an, so etwa Vaamo, Liqid und Scalable Capital.

Die digitalen Anlagehelfer unterscheiden sich darin, wie sie das Geld verteilen – manche handeln viel hin und her, andere bleiben passiv. Aber sie verbindet, dass sie komfortabel sind und ihre Strategien gut erklären – das ist gerade für unerfahrene Anleger von Vorteil, die ihr Geld für eine längere Zeit investieren möchten. Aber erst wenn die Börsen einmal ordentlich nachgeben, wird man wirklich wissen, ob man bei den Robos gut angelegt hat – oder vielleicht doch besser auf einen Menschen hätte vertrauen sollen.

Sich aufzuschlauen kann eben manchmal etwas dauern.

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