Jene Frage, die ihre Liebe um ein Haar begraben hätte, bevor sie überhaupt begann, kam ganz harmlos daher: "Und, was machst du so?" Eine Frau und ein Mann Ende zwanzig begegnen einander auf einer Party. Man findet sich attraktiv und kommt ins Gespräch, und irgendwann fällt die Frage nach dem Beruf. Sie: aufstrebende Verlagsmanagerin; er: Schaffner bei der S-Bahn. Sie: exzellent bezahlt; er: prekär beschäftigt. Sie: auf dem Karrieresprung; er: im Übergangsjob.
Und – was machst du so?
So beiläufig sie diese Frage auch stellte, die Antwort hätte Iris damals beinahe in die Flucht geschlagen. "Jemand, der mit fast 30 als Schaffner arbeitet? Das war wirklich ein fetter Minuspunkt", sagt sie nachdenklich, als sie 2018, fast zwanzig Jahre später, auf einem Kinderstuhl in einem Münchner Wohnzimmer Platz nimmt. Doch an jenem Abend 1999 flüchtet Iris nicht. Sie bleibt. Und noch mehr – sie verliebt sich Hals über Kopf in Martin, den Schaffner. Heute ist er ihr Ehemann und der Vater ihrer Tochter. Das Paar hat die ZEIT ins Wohnzimmer gelassen und sich bereit erklärt über die Familie zu sprechen – allerdings unter einer Bedingung: Keiner darf in diesem Text erkennbar sein. Deshalb haben wir ihre Identitäten leicht verfremdet.