Es gibt nur wenige Orte, an denen man das Gefühl dafür verliert, in welcher Zeit man lebt. Das Hamburger Störtebeker-Haus ist so einer: In Räumen mit goldenen Wandverzierungen, Marmorböden oder edlem Parkett trifft man Männer, die getönte Brillen und große kastige Anzüge in Beige oder Hellgrün tragen. Auf der Dachterrasse werden Zigarillos geraucht und Schaumweingläser balanciert. Die wenigen Frauen kommen als Begleitung. Hier sollen heute Uhren mit Schätzwerten von 250 bis zu 50.000 Euro versteigert werden.

Ist das nur etwas für Liebhaber und Sammler? Oder eignen sich antike Taschenuhren, Armbanduhren aus den Sechzigern oder Standuhren auch als Kapitalanlage?

Im Störtebeker-Haus kommen in den nächsten zwei Stunden Hunderte Uhren unter den Hammer. Bevor die Auktion beginnt, können die potenziellen Käufer den Zustand prüfen: Gibt es Kratzer am Gehäuse? Laufen die Zahnräder noch einwandfrei? Schließlich werden nach drei Stunden die Jalousien der Fenster heruntergelassen. Es wird still – zu hören ist nur das Rascheln der Seiten des Auktionskataloges oder das Klicken einer Box Emser Halspastillen.

Dann geht es schnell von einer Uhr zur nächsten. "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten", sagt der Auktionator mit den zum Pferdeschwanz gebundenen lockigen Haaren unentwegt. Immer wieder zücken die Besucher ihre gelben Bieterkarten. Einige Hände fliegen so oft in die Luft, es müssen Händler sein. Auch im Internet, am Telefon oder mit einem vorher abgegebenen schriftlichen Gebot wird mitgehandelt.

Ein Hamburger, der heute seine Sammlung erweitern will, soll hier den Namen Walter Hermann tragen. Er hat sich Diskretion ausbedungen, und in diesem Kreise war es auch nicht anders zu erwarten. Hermann ist wegen einer Fliegeruhr von IWC aus Edelstahl mit schwarzem Ziffernblatt von 2005 gekommen. Über ein Dutzend Uhren besitzt er schon. Er trägt sie aber nicht. "Die legt man dann mal auf den Schreibtisch", sagt er, "und erfreut sich ein paar Stunden am Ticken des Werks."

Zu groß sei die Gefahr, den Wert beim Tragen zu mindern, bestätigt auch Michael Brückner, Autor des Buches Uhren als Kapitalanlage. Wer auf Rendite hoffe, müsse außerdem die laufenden Kosten berücksichtigen und eine Uhr in der Regel über zwanzig Jahre halten.