Wenn ein geliebter Mensch stirbt und die Hinterbliebenen beim Bestattungsunternehmen sitzen, dann gilt den Goldzähnen des Toten wohl höchstens ihr letzter Gedanke. Allerdings hat es darum schon juristische Auseinandersetzungen gegeben.

Heutzutage tragen viele Menschen Metall in sich – nicht nur Zahnfüllungen, sondern auch zum Beispiel künstliche Gelenke. Während diese technischen Metalle meist den Verbrennungvorgang überstehen, schmilzt das Zahngold. Aus der Asche lässt es sich aber immer noch heraussieben.

Dabei kommt einiges zusammen: Der Bundesverband der Bestattungsunternehmen hat 2011 in einer Studie ermittelt, dass sich der Materialwert von Gold, Silber, Platin und anderen Metallen auf etwa 80 Euro pro Verstorbenem summiert.

Anders als bewegliche Teile wie Ringe oder Ketten gehören diese Implantate und Kronen nicht zum Erbe des Verstorbenen – sie sind Teil seines Körpers und werden nach dem Tod herrenlos. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich zum Beispiel jeder Krematoriumsmitarbeiter aus diesen Verbrennungsrückständen bedienen kann. Das entschied das Bundesarbeitsgericht im Jahr 2014: Demnach kann das Krematorium von solchen Mitarbeitern Schadensersatz verlangen.

Die Krematorien selbst reden nicht gern über die Sache. Viele geben die Metalle ins Recycling, einige spenden den Erlös für einen guten Zweck. Im Jahr 2015 aber wurden sie durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs aufgeschreckt: Demnach gehören zur "Asche" des Verstorbenen sämtliche nach der Einäscherung verbleibenden Rückstände. Und an dieser Asche darf sich nach Paragraf 168 des Strafgesetzbuchs ("Störung der Totenruhe") niemand bereichern. Eigentlich gehören also alle Metallteile in die Urne.

Das aber stellt viele Bestattungsunternehmen vor Probleme. Die Knochenmühlen, in denen die Überreste zerkleinert werden, gehen durch harte Metallteile kaputt. Um die durch das Urteil entstandene Rechtsunsicherheit zu beseitigen, erstellte in diesem Frühjahr die Verbraucherinitiative Aeternitas ("Ewigkeit") ein Rechtsgutachten. Und nach diesem dürfen die Bestatter das Zahngold behalten – sie müssen allerdings im Kleingedruckten ihrer Verträge die Zustimmung der Hinterbliebenen einholen.

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