Chefs, bitte kümmert euch!

Aspekte des Arbeitslebens, die im weitesten Sinne das Thema Führung betreffen, sind für die Beschäftigten auf besondere Weise relevant – sie finden sich vermehrt in der oberen Hälfte der Wichtigkeitsskala wieder. Das sind, zugegeben, noch keine "Breaking News". Aber ein zweiter Blick auf die Zahlen lohnt sich: Zwar sind die Vorgesetzten weiterhin die zentralen Figuren bei den wichtigen Fragen des Berufsalltags, sie sind Hoffnungsträger und Projektionsfläche. Bei den großen, "wichtigen" Themen "Weiterentwicklung", "Anerkennung", "Selbstbestimmtes Arbeiten", "Verteilung der Arbeit" und "Einarbeitung in moderne Technik" lautet die Botschaft allerdings: Kümmert euch gefälligst, und zwar deutlich mehr als bisher.

Am deutlichsten wird dies im Bereich "Unterstützung bei Weiterentwicklung durch Vorgesetzte" artikuliert. Obwohl drei Viertel der Befragten (74 Prozent – bei den 25- bis 44-Jährigen sogar 80 Prozent) es so relevant finden, dass es Platz fünf auf der Wichtigkeitsskala einnimmt, liegt der Zufriedenheitswert insgesamt bei dürren 45 Prozent – der größte Abstand unter allen abgefragten Punkten. Besonders groß ist die Diskrepanz und eine damit verbundene Anspruchshaltung bei Arbeitnehmern in Großunternehmen mit über 2000 Mitarbeitern. Da besteht nach Auskunft der Infas-Experten ein flächendeckender "Handlungsauftrag": Die Angestellten wünschen sich Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten und Einarbeitung in moderne Technik ebenso wie bei eigenständiger Gestaltung der Arbeitsinhalte und einer besseren Verteilung der Arbeit.

Bei aller Selbstständigkeit sehnt sich der noch so mündige Arbeitnehmer offenbar auch nach Streicheleinheiten. Gleich nach der "Weiterentwicklung" folgt "Anerkennung" auf Platz sechs der Wichtigkeitsskala: Für fast 70 Prozent aller Beschäftigten ist diese Frage von herausragender Bedeutung, übrigens in allen befragten Altersgruppen gleichermaßen. Hier scheinen die Chefs aber ihre Lektion gelernt zu haben: 54 Prozent der Beschäftigten sind zufrieden mit der Art und Weise, wie ihnen Wertschätzung entgegengebracht wird.

Nicht alles, was in den Medien steht, betrifft mich wirklich!

Die Digitalisierung ist für Arbeitnehmer in Deutschland ein zentrales Thema. Na sowas! Muss für diese Erkenntnis eine Studie in Auftrag gegeben werden? Muss nicht, lohnt sich aber trotzdem, denn: Leben die Menschen wirklich in großer Sorge vor dieser unweigerlichen Entwicklung, wie es in der Öffentlichkeit immer wieder transportiert wird? Offenbar ist die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ein Thema, welches – aus Sicht der Beschäftigten – vor allem in den Medien relevant und aus den Medien bekannt ist. Privat und am Arbeitsplatz spielt es eine vergleichsweise nachgeordnete Rolle. Dass sich die Bedingungen für erfolgreiches Arbeiten durch den technischen Fortschritt nachhaltig auf die Arbeitsbedingungen auswirken, sorgt hingegen auch "im Betrieb" und "privat" für reichlich Gesprächsstoff.

Hingegen – liebe Kollegen, aufgepasst! – wird ein wichtiges Anliegen, das die Menschen vor allem im Betrieb (aber auch privat) sehr beschäftigt, in den Medien zu wenig behandelt: der Anspruch an die Vorgesetzten, sich am Arbeitsplatz "weiterentwickeln" zu können. Noch massiver ist die Diskrepanz bei jenem Thema, das den Menschen unter allen das Wichtigste ist: "Sich wohlfühlen bei der Arbeit". Im Betrieb, aber noch mehr im privaten Umfeld von herausragender Bedeutung, spielt es – nach Einschätzung der Arbeitnehmer – in den Medien kaum eine Rolle.

Grafiken: Paul Blickle, Andreas Loos, Julius Tröger