Ab Januar 2019 ist in Australien auf Tampons und Binden im Laden tatsächlich keine Steuer mehr fällig. "Das ist ein riesiger Gewinn für alle menstruierenden Australierinnen und beweist die Macht von Graswurzelbewegungen", kommentierte die grüne Senatorin Janet Rice.

"Tamponsteuer" (tampon tax) kann man die zehnprozentige Abgabe aber eigentlich nicht nennen, die im Herbst dieses Jahres nach 18 Jahren öffentlichen Protests vom Parlament abgeschafft wurde. Denn die Hygieneartikel unterlagen wie viele andere Waren und Dienstleistungen der im Jahr 2000 eingeführten zehnprozentigen Goods and Services Tax. Lebensmittel waren davon ausgenommen, aber auch Kondome – mit dem Argument, dass sie Krankheiten verhindern können.

Wer die australische Steuer als Tamponsteuer bezeichnet, der müsste eigentlich auch die deutsche Mehrwertsteuer so nennen. Denn hierzulande räumt der Gesetzgeber gewissen Waren des täglichen Bedarfs einen verminderten Steuersatz von sieben statt 19 Prozent ein. Dazu gehören die meisten Lebensmittel, aber auch Schnittblumen und Presseerzeugnisse wie die ZEIT und seit dem Jahr 2010 auch Hotelübernachtungen – eine Erinnerung an die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung. Tampons und Binden hingegen werden nicht begünstigt (Kondome ebenfalls nicht). Wer also den Erfolg der Australierinnen feiert, kann gleich eine entsprechende Initiative in Deutschland starten.

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