Litkowka, Sibirien

Mit knapp 500 Einwohnern ist Litkowka die größte und gleichzeitig abgeschiedenste russlanddeutsche Gemeinde Sibiriens. Sechs Autostunden nördlich von Omsk gelegen und vor allem im Winter schwer erreichbar, muss die Kolchose autonom und einfallsreich wirtschaften.

Im Gegensatz zu den verfallenden Dörfern der Umgebung, wirkt der Ort wie eine Musterkolonie – mit Straßen, die Waldstraße, Zentralstraße und Jugendstraße heißen.

Nur wenige Bewohner der Gemeinde sind nach Deutschland ausgewandert. Jede Familie betreibt eine eigene kleine Landwirtschaft, die Männer gehen jagen und fischen, das Brennholz kommt aus dem Wald. Mit zwei Sendemasten sind vor einigen Jahren allerdings auch Fernsehen, Mobilfunk und Internet in Litkowka angekommen.

Pomerode, Brasilien

In Pomerode, 1861 von pommerschen Siedlern gegründet, sprechen bis heute zwei Drittel der 32.000 Einwohner Deutsch mit ostpommerschem Akzent. 15 Schützenvereine und fünf Volkstanzgruppen pflegen deutsches Kulturgut. Die Arbeitslosenquote liegt bei null Prozent, und der städtische Haushalt kennt seit vielen Jahren nur Überschüsse.

Textilfabriken, Kunststoffproduzenten und Spielzeughersteller haben sich hier angesiedelt, deutsche Firmen wie Bosch Rexrodt und der weltgrößte Pumpenhersteller Netzsch haben Zweigstellen errichtet.

Reiche Rentner aus São Paulo kaufen Häuser und Grundstücke, um hier einen entspannten Lebensabend zu verbringen. Die Stadt, die mit dem Slogan "die deutscheste Stadt Brasiliens" für sich wirbt, liegt 1000 Kilometer südlich von Rio de Janeiro im Bundesstaat Santa Catarina – ein prosperierendes Stück Deutschland, mitten in Brasilien.

Manitoba-Kolonie, Mexiko

Ihre Siedlungen tragen Namen wie Blumenau, Hamburg oder Gnadenthal – rund 80.000 Mennoniten (genaue Zahlen gibt es nicht) leben in der mexikanischen Halbwüste entlang des "Corredor Comercial Manitoba", einer 37 Kilometer langen Schnellstraße nördlich der Stadt Cuauhtémoc. Verkauf und Ausschank von Alkohol sind in der gesamten Region verboten.

Die Mennoniten unterhalten die größten Apfelplantagen Mexikos, sie betreiben Vieh- und Milchwirtschaft, neuerdings auch Handel und Industrie. Während die Traditionalisten noch immer Plautdietsch sprechen, einen uralten plattdeutschen Dialekt, wird an den Schulen seit Neuestem ab der ersten Klasse Hochdeutsch gelehrt. Der Einzug des Internets und die weitverbreiteten Smartphones haben die Gewohnheiten der vor 500 Jahren aus Deutschland eingewanderten Glaubensgemeinschaft verändert. Modernes landwirtschaftliches Gerät und moderne Pick-ups gehören heute ebenso zum Alltag der zu Wohlstand gekommenen Mennoniten wie der sonntägliche Kirchgang.

Harburg, New Hanover, und Hermannsburg, Südafrika

Mitte des 19. Jahrhunderts schickte der lutheranische Pfarrer Ludwig Harms aus Hermannsburg (Lüneburger Heide) Missionare und Handwerker nach Afrika, um dort Missionsstationen aufzubauen. Eine Rückkehr nach Deutschland war für die Auswanderer zeitlebens vertraglich ausgeschlossen.

Ihre Nachfahren kamen mit dem Anbau von Zuckerrohr im Grenzgebiet zwischen Natal und Zululand zu Wohlstand. Noch heute werden die Gottesdienste in den sehr frommen lutherischen Gemeinden überwiegend in deutscher Sprache abgehalten. Auch die Familien legen Wert darauf, dass ihre Kinder Deutsch sprechen und nicht ohne Grund ins Englische fallen.

Jörg Müller lebt und arbeitet als selbstständiger Fotograf in Hamburg.