© Wenders Images/Wim Wenders für DIE ZEIT

Heimat

"Heimat" ist ein Wort, das man gegen all die verteidigen muss,

die damit Schindluder getrieben haben. Oder noch tun.

Heimatgefühle, Heimatfilm, Heimatliebe, Heimatschutz ...

Jetzt auch noch ein "Heimatminister"! Ojemine!

Dabei kann ich auch einfach nur in eine Landschaft gucken,

wie hier in die Uckermark, und denken: "Schön. Friedlich. Heimatlich!"

Dabei muss mir das Wort auch gar nicht im Halse stecken bleiben.

Die Landschaft ist unschuldig. Das Wort auch.

Demnächst mag ich sogar Heimweh nach diesem Blick haben ...

("Heimweh" ist übrigens ein Wort, das in der Schweiz geprägt wurde

und die "klinisch manifeste Form einer Schweizer Krankheit" beschrieb.)

Heimweh kann ich auch nach San Francisco bekommen,

nach Chicago, Coober Pedy, Regensburg oder dem Rhein.

Oder nach Tokio, und dass da gerade der Fischmarkt geschlossen wurde

und ich ihn nie wiedersehen werde, das macht mich ähnlich krank,

wie es diese Schweizer Krankheit beschreibt.

"Heimat" gehört allen, überall auf der Welt!

"Heimat" ist ein Menschenrecht!

Und Landschaften und Orte haben ein Recht darauf, allen zu gehören

und weder von Ministern noch von Nationalisten usurpiert zu werden.

Der Regisseur und Fotograf Wim Wenders lebt und arbeitet in Berlin