Werden Skandale aufgedeckt, ist die Aufregung groß. Das Thema macht Schlagzeilen, in den sozialen Netzwerken hagelt es Empörung, Politiker verteidigen sich oder geloben Besserung. So war es auch bei den Cum-Ex-Files. Medien aus ganz Europa, darunter die ZEIT, hatten darüber berichtet, wie Banker, Anwälte und Berater die Steuerkassen um mindestens 55 Milliarden Euro geplündert haben. Und wie die Bundesregierung es über Jahre unterlassen hatte, ihre europäischen Partner zu warnen.

Und nach dem Skandal? Geschieht oft nichts. Wenn die Aufregung abgeklungen ist, vergeht auch der Wille, politische Konsequenzen zu ziehen. Insofern ist es bemerkenswert, dass das Europaparlament nun eine Resolution verabschiedet hat. Es fordert eine europäische Untersuchung der Cum-Ex-Geschäfte, auch damit festgestellt wird, wo Kontrollen versagt haben und woran eine bessere Abstimmung zwischen den Staaten scheiterte. Zudem fordern die Abgeordneten eine EU-Finanzpolizei, die ähnlichen Geschäften früher auf die Spur kommt. Eine breite Mehrheit des Europaparlaments hat für die Resolution gestimmt.

Das ist ein gutes Zeichen. Doch das Europaparlament kann weder eine Untersuchung anordnen noch eine Finanzpolizei gründen. Europas Börsenaufsicht und Bankenaufsicht müssten die Geschäfte untersuchen. Die Initiative für eine Finanzpolizei müsste von der EU-Kommission ausgehen. Das alles ist kompliziert und taugt nicht für Schlagzeilen oder Aufregung auf Twitter. Aber es entscheidet darüber, ob Europa etwas aus diesem Skandal lernt – und den nächsten vielleicht verhindert.

Ohne öffentliches Interesse werden die Parlamentarier die schwerfälligen europäischen Institutionen aber kaum dazu bringen, die Forderungen der Resolution umzusetzen. Es braucht Druck. Man sollte die EU in den sozialen Medien daher mit dem Thema nerven. Nach dem Motto: Wann kommt nun endlich die europäische Finanzpolizei?