Es ist immer dasselbe Design, schon seit 1978: Stets lädt die Wiener Galeristin Rosemarie Schwarzwälder mit einer schlichten Postkarte zur nächsten Ausstellung. Jede Karte hat ihre eigene Farbe und nennt den aktuellen Künstler, mehr nicht. Man muss schon persönlich in die Galerie Nächst St. Stephan hinter dem Stephansdom kommen, um sich einen Eindruck von den jeweiligen Arbeiten zu machen. Es lohnt sich: Das barocke Haus ist eine Oase mitten im touristischen Viertel von Wien.

Hier hängen auch die zahlreichen Einladungskarten, alle sorgsam an einer Wand im Ausstellungsraum befestigt. Man liest auf ihnen Namen wie Imi Knoebel, Gerwald Rockenschaub, Gerhard Richter oder Richard Prince. Künstler also, die international erfolgreich und bei Sammlern wie Museen gleichermaßen begehrt sind. Sie scheinen zu bestätigen, was ohnehin über die Galerie bekannt ist: Sie zählt zu den wichtigsten in Europa, ihr Ruf reicht auch deshalb weit über Österreich hinaus, weil Rosemarie Schwarzwälder seit Langem an den zentralen Kunstmessen von Basel bis Shanghai teilnimmt.

Und dann stutzt man doch. Dieses offene Archiv macht zugleich klar, dass diese Künstler hier bereits ausgestellt haben, als sie noch nicht bedeutend waren und kaum einer Geld für ihre Werke ausgeben wollte. Schwarzwälder ist offenbar seit Langem Avantgarde.

Vergangenen Sommer hat sich die Galeristin, die am 6. Dezember ihren 73. Geburtstag feiert und viel jünger aussieht, eine Ausstellung zum Jubiläum von Nächst St. Stephan erlaubt. Sie zeigte Arbeiten aus ihrem überreichen Lager.

Die Texte neben den Bildern und Skulpturen, von denen knapp die Hälfte gar nicht verkäuflich waren, erzählten von persönlichen Erfolgen und Enttäuschungen. 2015 zum Beispiel, als sie die junge Künstlerin Sonia Leimer vorstellte, wurde bis auf eine Arbeit nichts verkauft. "Das habe ich nie verstanden", sagt sie.

Natürlich kann sich Schwarzwälder diese Offenheit gut leisten: An ihrer Bedeutung als prägende Galeristin, die Künstler wie Helmut Federle und Ernst Caramelle einem internationalen Publikum vermittelt hat, rüttelt das nicht mehr. Und sicher ist auch etwas Koketterie im Spiel, weil die schlanke Frau, die mit schnellen Gesten unterstützt, was sie über die Anfänge ihrer Arbeit bis heute erzählt, am Ende meist richtig liegt – zumindest was ihr Gespür für relevante Kunst anbelangt.