Anfangs hätten sie sich geradezu heimlich getroffen, erzählt Gesine Grande, die Rektorin der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK). Sie und einige andere Wissenschaftler, Unternehmensvertreter und sächsische Beamte hätten in ihrem Büro gesessen und diskutiert. Aber so richtig daran geglaubt, dass die Verhandlungen erfolgreich enden, habe damals wohl keiner.

Zu unwahrscheinlich schien das, was Gesine Grande nun, nach Jahren des Pokerns, doch verkünden kann: Die Telekom wird der HTWK Leipzig Geld geben, sehr viel Geld. Um genau zu sein, so viel Geld, dass eine ganze Fakultät für "Digitale Transformation" entstehen kann, mit 17 Professuren und 15 Stellen für Mitarbeiter.

Das ist, zumindest auf den ersten Blick, eine Sensation. Solch eine hohe Summe habe keine Fachhochschule in Deutschland je von einem Unternehmen erhalten, heißt es aus der HTWK. Als etwas "bundesweit Einmaliges" bezeichnet Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) den Deal. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) schwärmt von dem Vorhaben. Und als am vorigen Freitag der Vertrag unterzeichnet wurde, jubilierte auch Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) in einer Pressemitteilung. Dass ein reicher Gönner eine ganze Fakultät finanziert, passiert in Deutschland selten.

Ein wichtiges Detail aber hat die Regierung in dieser Pressemitteilung verschwiegen.

Die Telekom gründet nämlich nicht nur eine Stiftungsfakultät in Leipzig. Sie schließt fast zeitgleich eine andere Institution. Die Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL) – in der Stadt nur Telekom-Hochschule genannt – wird seit 23 Jahren von dem Unternehmen betrieben. Sie nimmt schon keine neuen Studierenden mehr an. Man könnte auch sagen: Die Telekom schließt eine eigene, teure Hochschule und finanziert im Gegenzug eine nicht ganz so teure Fakultät an einer bestehenden.

1600 Menschen waren an der Telekom-Hochschule einst eingeschrieben. An der neuen Stiftungsfakultät werden es nur 500 sein. 29 Professorinnen und Professoren lehrten zwischenzeitlich an der Telekom-Hochschule. 17 sollen es an der HTWK werden.

Für wen ist dieser Deal denn dann wirklich gut?

HTWK-Rektorin Gesine Grande ist auf solche Fragen vorbereitet, und so antwortet sie: "Es gibt kaum ein anderes Unternehmen in Deutschland, das sich in dieser Dimension überhaupt an einer staatlichen Hochschule engagiert." Damit hat sie recht. Lediglich zwei ähnlich hohe Gaben hat es in der jüngsten Zeit gegeben. Hasso Plattner, der SAP-Gründer, gliederte sein Potsdamer IT-Institut vor einiger Zeit an die dortige Universität an. Und die Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz finanziert 20 Professuren an der Technischen Universität München.

Außerdem, sagt Gesine Grande, engagiere sich die Telekom langfristig. Zwar gilt der Vertrag zunächst einmal nur für 13 Jahre, doch hat sich das Unternehmen jetzt schon verpflichtet, alle 17 Professoren auf Lebenszeit zu bezahlen.

Dass dennoch manche Oppositionspolitiker skeptisch auf den Deal mit der Telekom gucken, hat mit etwas anderem zu tun: mit der Vergangenheit des Konzerns. Genauer gesagt mit der Art und Weise, wie er seine Leipziger Hochschule bislang führte – beziehungsweise zerstörte.

Dass diese Hochschule überhaupt existiert, geht nicht auf einen Wunsch der Telekom zurück. Es ist ein Erbe der deutschen Einheit. Ursprünglich wurde die "Schule für das Post- und Fernmeldewesen" 1953 in der DDR gegründet. Nach 1990 ging sie in den Besitz der Bundespost und schließlich der Telekom über. In den Jahren danach erwarb sie sich einen guten Ruf, bildete IT-Fachleute aus. Auch andere Unternehmen rissen sich um die Absolventen, der IT-Chef der sächsischen Polizei hat an der Telekom-Hochschule studiert.