Man stelle sich vor, es gäbe ein Mittel gegen eine gefährliche Krankheit. Dieses Mittel könnte die Krankheit verhindern, bevor sie ausbricht. Damit würde es Leben retten. Und man stelle sich vor, es gäbe Menschen, die dieses Mittel ablehnten ...

Dieses Mittel existiert, es heißt Impfung. Und es gibt diese Menschen, die ihren Kindern die Impfung verweigern. Obwohl das Risiko für schwere Nebenwirkungen verschwindend gering ist – und der Nutzen belegtermaßen riesengroß. Vor allem gegen die Masernimpfung hält sich hartnäckiger Widerstand.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich das Ziel gesetzt, die Masern zu eliminieren. Davon ist man weit entfernt, immer noch sterben jedes Jahr Zehntausende daran, vor allem Kinder. Gerade erst hat die WHO bekanntgegeben, dass im Jahr 2017 wieder mehr Menschen an Masern erkrankt sind als im Vorjahr. Dafür gibt es plausible Gründe: Kriege etwa, wie sie vielerorts in Afrika toben, und ein darbendes Gesundheitssystem wie in Venezuela.

Völlig unplausibel erscheint es hingegen, dass auch reiche Länder mit gut entwickelten Gesundheitssystemen Rückfälle erleben. So nennt der WHO-Bericht auch Deutschland: 929 Menschen erkrankten im vergangenen Jahr an Masern, fast dreimal so viele wie 2016.

Nicht alle diese Fälle gehen direkt auf strikte Impfverweigerer zurück, oftmals reicht eine gewisse Skepsis, und die Eltern schludern bei der Impfung. Man könnte auch sagen, die Masernimpfung leidet unter ihrem eigenen Erfolg. Denn sind die abschreckenden Folgen einer Krankheit erst aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden, verliert sie ihren Schrecken. Eltern erkennen dann womöglich keinen großen Sinn mehr darin, ihre Kinder impfen zu lassen.

Jeder Ungeimpfte trägt aber ein Risiko, für sich selbst und als Virenschleuder für andere. Nämlich für Menschen, die nicht geimpft werden konnten – weil sie zu jung sind oder an bestimmten Krankheiten leiden – oder bei denen die Impfung einfach nicht gewirkt hat.

In leichteren Fällen führen die Masern zu Fieber, Husten und einem roten Hautausschlag. Manchmal kommt aber eine Lungenentzündung hinzu oder gar eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die auch Jahre später auftreten kann und dann immer tödlich verläuft.

Diese Komplikationen sind selten, vor allem aber sind sie komplett vermeidbar und absolut überflüssig. Allerdings um den Preis, das muss man ehrlich sagen, recht häufiger harmloser und sehr seltener schwerer Nebenwirkungen.

All das – die gefährlichen Folgen der Krankheit, die Effektivität der Impfung und das niedrige Risiko für Schäden – muss man skeptischen Eltern immer wieder klarmachen. Nur: Das allein reicht nicht.

Derzeit wird in Israel über einen radikaleren Weg diskutiert. Dort kam es in den vergangenen Monaten zu einem Masern-Ausbruch, obwohl es eine hohe Impfquote gibt. Wahrscheinlich wurden die Viren eingeschleppt und trafen dann auf Menschen, die nicht geimpft waren. Ein Baby starb. Das Parlament diskutiert laut Jerusalem Post nun über einen Gesetzentwurf, der eine Geldstrafe für Eltern vorsieht, die ihre Kinder nicht impfen lassen.

Das klingt drastisch. Doch nach den Jahrzehnten der vielen Bemühungen und der wenigen Erfolge in Deutschland sollte man auch hierzulande über Maßnahmen wie diese nachdenken.